Der Wörter-Schatz

Theresia Walsers «Die Kriegsberichterstatterin» im Marstall des Bayerisches Staatsschauspiels in München

Theater heute - Logo

Seit Theresia Walser sich letztes Jahr nach längerer Theaterabstinenz mit zwei neuen Stücken zurückgemeldet hat, herrscht ein dezenter Krieg an deutschen Bühnen: Dramatikerin und Uraufführungsregisseure kämpfen um die Oberhoheit über Texte.

Ein Streit, der sich an Jacqueline Kornmüllers bildbeschwerter Stuttgarter Urinszenierung von Walsers «Wandernutten» entzündete, in der Absetzung der «Kriegsberichterstatterin» wenige Tage vor der Konstanzer Uraufführung durch die Regie führende Intendantin Dagmar Schlingmann seine Fortsetzung fand und nun tatsächlich die eigentlich längst überholte Werktreuedebatte unter neuen Vorzeichen wieder aufzuköcheln droht. Wie viel Rücksicht darf ein Autor fordern, wie weit darf der Regisseur sich über Dramatikerwünsche hinwegsetzen? Oder anders gefragt: Muss nicht ein Text zumindest einmal erkannt werden, bevor man alles mit ihm machen darf?

Dass dabei der profilierungssüchtige, werkvergewaltigende Regieunhold gemeinhin als der Bösewicht angesehen wird, der Autor respektive die Autorin dagegen als wehrloses Opfer in der Geiselhaft der Theatermafia, ist natürlich eine kurzsichtige Verkürzung der Verhältnisse. Andererseits kann man wohl auch nicht von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 38
von Silvia Stammen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine Stadt spielt Monopoly

Als das Kölner Schauspielhaus am 8. September 1962 eröffnet wurde, hatten hier Schillers «Räuber» Premiere. Die lassen es bekanntlich krachen, und das macht sich, um einen Anfang zu setzen, immer gut. Schon elf Jahre zuvor hatte Düsseldorf mit demselben Stück sein Schauspiel von der Oper getrennt, und so war der Rivalität der beiden Diven am Rhein einmal mehr...

Anarchie im Zentrum der Macht

Der Bühnenboden ist hochgeklappt und präsentiert ein großes plastisches Bild. Es könnte eine Satellitenaufnahme des Irak sein. Wäre das der Fall, lägen unten im Süden die Ausgrabungsstätten von Ur und weiter oben Bagdad. Etwas später klappt der geopolitisch brisante Ausschnitt der Welt einfach weg und wird zum Spielgrund einer «Egmont»-Variante, in der die...

Sterben in Zürich

Dora hatte auch so eine Mama. Dora, die unberechenbare, zurückgebliebene Hauptfigur in Lukas Bärfuss’ vorletztem Stück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern». Doras Mama war überbesorgt, dominierend und sehr zufrieden mit sich und der Art, wie sie damit umging, eine behinderte Tochter zu haben. Alices Mutter in dem neuen Stück «Alices Reise in die Schweiz» ist...