Sterben in Zürich
Dora hatte auch so eine Mama. Dora, die unberechenbare, zurückgebliebene Hauptfigur in Lukas Bärfuss’ vorletztem Stück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern». Doras Mama war überbesorgt, dominierend und sehr zufrieden mit sich und der Art, wie sie damit umging, eine behinderte Tochter zu haben. Alices Mutter in dem neuen Stück «Alices Reise in die Schweiz» ist genauso. Aufopferung für ihr Kind ist der Inhalt ihrer Tage. Alice, obwohl längst erwachsen, kann unbetreut nicht leben – sie ist unheilbar krank und braucht ihre Mama, meint jedenfalls die Mama.
Dora – und an dem Punkt bekam die symbiotische Idylle damals einen Riss – wollte lieben und leben, wie es ihr passte. Alice will sterben, Schluss machen, dem Elend ihrer dumpfen Tage ein Ende setzen. Und natürlich fort von Mama. Hilfe braucht sie immer noch, diesmal beim Selbstmord. Sie hat jemanden gefunden, der dazu bereit und in der Lage ist, denn betreuter Selbstmord ist das Metier des studierten Mediziners Gustav Strom.
Es geht also diesmal um Sterbehilfe. Ein Thema, über das vernünftige Menschen heute vernünftig und verantwortungsbewusst debattieren. Scheu und Abwehr weckt es lange nicht mehr. Gerade die vielfältigen ...
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