So gehen die Griechen
Ob Segelturn, Tennisdress oder Götterolymp: Wer etwas auf sich hält, kommt gerne in Weiß daher. Auch diese Sechsergruppe (Axel Holst, Jan Jaroszek, Ines Krug, Thomas Meczele, Stephanie Schönfeld, David Simon) trägt weißglänzende Satinanzüge und platinblonde Rockstar-Perücken sowie ein triumphal-dümmliches Grinsen. Schmatzend macht sie sich an einer großen weißen Tafel über blutige Steaks und Rotwein her und posaunt selbstgefällig heraus, was sie für gesellschaftsrelevant hält («die humanistische Tradition!», «den Umgang mit dem Dritten Reich!»).
Die hyperbolisch «Weißen» sind in Volker Löschs Inszenierung am Schauspiel Essen die Vertreter der europäischen Zivilisation – zu Homers Zeiten wie heute.
Anhand der Odyssee, die schon in der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 als Großprojekt zur europäischen Identitätssuche dienen sollte, führt Volker Lösch in seiner Eröffnungspremiere am Schauspiel Essen die bis heute wirksamen Aus- und Abgrenzungspraktiken westlicher Gesellschaften vor. Denn in dieser «Urgeschichte bürgerlicher Subjektivität» (Horkheimer/Adorno) erlernen Odysseus und Co. während ihrer zehnjährigen Irrfahrt nicht nur Selbstbeherrschung, Rationalität und Opferbereitschaft, ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Natalie Bloch
Lang, sehr lang war ich überzeugt gewesen, die DDR, die Wende und deren Nachwehen seien mein Thema. Dann, seit ein paar Jahren, habe ich geglaubt, ich hätte mich davon gelöst; und es ist wohl auch kein Zufall, dass ich in der Schweiz wohne, und nicht mehr in meiner Geburtsstadt Leipzig. Das ist nicht meine Geschichte, dachte ich mir. Mehr noch: Die DDR ist...
Mit einer Blutgrätsche wurde die Saison am Volkstheater Rostock (VT) eröffnet. Anders kann man es nicht formulieren in einer Stadt, in der der örtliche Fußballverein Hansa, inzwischen in der dritten Liga beheimatet, noch immer die städtische Identität prägt. Da wurde nach fünf Jahren Interimsintendanz endlich wieder ein Theatermacher per öffentliche Ausschreibung...
Fünf junge Männer, aus ihrer Jugend gerissen, an die Front. Lars-Ole Walburg verzichtet in seiner Inszenierung von «Im Westen nichts Neues» auf die naheliegende Versuchung, Remarques Schlachtenlärm mit allen technischen Mitteln des Großen Hauses wirkungsvoll in Szene zu setzen, sondern verwandelt den Roman in ein ganz auf Empathie setzendes Kammerspiel.
Ein...
