Die mit dem Wolf tanzen
Im Schummerlicht erobern Indianer die leere Zuschauertribüne, während wir auf dem Bühnenboden sitzen und gebannt zuschauen. Nebelschwaden ziehen durch den Raum. Wie ist es dazu gekommen?
Eigentlich hat alles ganz harmlos begonnen – mit einem Vortrag über eine Reise in die verlorenen Dörfer am Rande der Braunkohletagebau-Gebiete der ostsächsischen Lausitz. Fünf junge Studierende aus Hildesheim sitzen in «Steppengesänge» mit einem Beamer und einer Leinwand auf der Bühne, eine weibliche Stimme aus dem Off erzählt die Geschichte.
Erste Brüche der Realität entstehen, als der Vortrag vom Band und das Geschehen auf der Bühne für Momente nicht zusammenpassen, die Frauenstimme auf kurze Video-Einspieler Bezug nimmt, während die Leinwand dunkel bleibt – und die Stimme Requisiten auf der Bühne anmoderiert, die gar nicht da sind, einen Baumstumpf an der Rampe zum Beispiel. Dann beginnt der Vortrag von vorne, die Reise in die verlorenen Dörfer der Lausitz, diesmal mit Einspielern, aber in Nuancen anders erzählt. Während die Stimme von einer unheimlichen Nacht auf einem verlassenen Dorfplatz berichtet, verlässt eine der Performerinnen die Bühne und kommt zurück – mit einer schwarzen, ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Alexander Kohlmann
Die zuhauf in Zellophan verpackten Blumensträußchen, mit denen das Ehepaar Tesman im seinem neuen Haus begrüßt wurde, erinnern an die Mitbringsel trauernder Massen, niedergelegt zum Gedenken an eine zu Tode gehetzte, sich müde getanzt habende Prinzessin oder an in den Pop-Himmel aufgefahrene Stars. Ist vielleicht auch Hedda Gabler ein solch früh geendetes Idol,...
Eigentlich sind Anekdoten von ersten Theatererlebnissen in Schauspieler-Porträts eher albern. Aber bei Daniel Lommatzsch passt es leider wie die Faust aufs Auge. Als 15-jähriger Gymnasiast aus dem Hamburger Nobelvorort Othmarschen musste er mit seiner Schule zu «König Lear» ins Thalia, inszeniert von Jürgen Flimm. Und warum hat es ihm so gut gefallen, dass er...
1 Heiner Müllers Stücke werden gegenwärtig wenig gespielt – trotz ihrer unbestreitbaren poetisch-sprachlichen Kraft, trotz ihres großen historischen Atems, den man bei kaum einem anderen neueren Autor findet, trotz der Brillanz seiner messerscharfen Formulierungen. Sie erleiden das Schicksal der ganz aktuellen Zeitung von gestern, die stets als das Älteste...
