Das Fundament
1 Heiner Müllers Stücke werden gegenwärtig wenig gespielt – trotz ihrer unbestreitbaren poetisch-sprachlichen Kraft, trotz ihres großen historischen Atems, den man bei kaum einem anderen neueren Autor findet, trotz der Brillanz seiner messerscharfen Formulierungen. Sie erleiden das Schicksal der ganz aktuellen Zeitung von gestern, die stets als das Älteste erscheint. Seine Themen haben es in der ideologischen Szenerie von heute nicht leicht.
Die Problematik des Kommunismus scheint vielen nicht mehr aktuell oder inexistent, von der Tragik der kommunistischen Kämpfer und Intellektuellen will man nichts hören. Im Eifer der moralischen Selbstgewissheit meinen manche, mit dem Scheitern des staatgewordenen «Sozialismus» seien auch die Probleme erledigt, auf die das kommunistische Projekt eine Antwort war. Die DDR wollen begreiflicherweise viele einfach nur vergessen, andere wollen sie planmäßig vergessen machen. Sie war aber Müllers Erfahrungsfeld – obwohl er ein Weltautor war und nicht auf den DDR-Autor reduziert werden kann. All dies macht es schwer, sein tief politisches Theater mit dem ja durchaus vorhandenen Interesse am Politischen der heute aktiven Theaterleute zu vermitteln.
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Heiner Müller, Seite 6
von Hans-Thies Lehmann
Die Brandstifter sind unter uns. Ihr Werkzeug verteilt sich im Laufe des Abends über die ganze Bühne: Unmengen von kleinen Hölzchen, nur ohne rote Köpfchen – symbolisch leicht entschärfte Streichhölzer, die sich, erst wie ein Teppich aufgeschüttet, immer mehr im Raum verstreuen. Echte Zündhölzer dürften in dieser Masse wahrscheinlich sowieso nicht ins Theater –...
«Liquidation», erschienen 2003, der letzte der großen Romane von Imre Kertész, auch wenn er in der Buchausgabe nur 142 Seiten umfasst, enthält Teile eines Theaterstücks. Dieses Stück ist die wichtigste Hinterlassenschaft von B., einem «Schriftgelehrten», wie es einmal heißt, der sich im Jahr 1999 in Budapest das Leben genommen hat. Eigentlich aber ist das Stück...
Vielleicht ist nichts, wie es scheint. Wenn man statt der Augen grüne Gläser hätte, hielte man die Welt für grün – und das Falsche für wahr. So ähnlich sagte es Kleist, sein berühmtes Zitat hat der Niederländer Bram Jansen seinem «Käthchen von Heilbronn» im Schauspiel Oberhausen zu Beginn auf den Gazevorhang projiziert. Kurz leuchtet ein Märchenkasten auf, eine...
