Die Kraft der großen Erzählungen
Theater heute Ob «Baader Meinhof Komplex» oder «Operation Walküre», ob Armin Petras’ «Rummelplatz» oder Volker Löschs «Wunde Dresden» – Filme und Theaterinszenierungen fangen wieder an, deutsche Geschichten, deutsche Geschichte zu erzählen. Wenn man begriffstechnisch etwas höher greift, kann man übergreifende historische Großerzählungen auch Mythen nennen. Herr Professor Münkler, Sie haben gerade ein großes Buch über «Die Deutschen und ihre Mythen» vorgelegt, in dem es um diese Schnittstelle von Geschichte und Erzählung geht.
Was sind Mythen, und wozu brauchen wir sie?
Herfried Münkler Mythen erzählen historische Ereignisse und literarische Stoffe in der Regel in einer wenig komplizierten Weise nach. Sie vereindeutigen dabei, und sie nehmen Bezug sowohl auf Geschichte als auch auf Literatur. Im Fall der politischen Mythen dienen sie zum Zweck der Identitätsstiftung eines Gemeinwesens, eines politischen Verbandes, aber darüber hinaus dienen sie als Orientierung für die Zukunft, schaffen also Vertrauen und Zutrauen, dass die bevorstehenden Aufgaben gemeistert werden können.
TH Ein bisschen zugespitzt könnte man auch von nationaler Sinnstiftung sprechen.
Münkler Das kann so sein, ...
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Theater heute April 2009
Rubrik: Deutschland, Deine Mythen, Seite 4
von Eva Behrendt, Franz Wille
War es dies etwas verhaltene Mädchenlachen, ein Versprechen von welschem Charme? Oder ihre streng aufrechte Haltung, die von protestantischer Disziplin erzählte? Als Gilberte de Courgenay in Franz Schnyders gleichnamigem Debütfilm spielte sich Anne-Marie Blanc 1941, gerade 22 Jahre alt, in die Herzen eines schweizerischen Publikums, deutsch und welsch – und da...
Ein Alptraum: Der Schaffner im Zug fragt den verschmitzt aussehenden älteren Herrn nicht nach dem Ticket – sondern nach der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. «Are you the Gestapo?», antwortet der, panisch.
Wie gesagt: nur ein Traum, aber er etabliert gleich zu Beginn von Jan Schüttes Film «Bis später, Max» zwei Themen. Das eine färbt den Hintergrund ein: Max ist...
Dass 170 Jahre längst nicht reichen, den Menschen grundlegend zu ändern, beweist Gogols «Revisor» immer wieder aufs Hübscheste. Die satirische Farce von 1836, in der ein staatlicher Überprüfer angekündigt und gerüchtehalber mit einem durchreisenden Hallodri verwechselt wird, was dem verdutzten, sich aber schnell zum Herrn der Lage aufschwingenden Touristen...
