Das Klopfen der Wiederkunft
In der Nacht zum fünfzehnten August, etwa ein Monat vor seinem Tod, erzählte mir Otto Sander im Traum, daß sein erster Auftritt in der darstellenden Kunst bereits 1941, kurz nach seiner Geburt, stattgefunden habe. An der Seite des damals berühmten Paul Kemp sei er in den Anfangssequenzen eines Ufastreifens das schreiende Baby, ein Findelkind, gewesen, das den Komiker in Verlegenheit und die Handlung des Lustspiels in Fahrt gebracht habe.
Wo wir uns nächtlich begegneten, das war ein kleines Zimmer im großen Zimmer einer Bühne, und darin im tiefen Hintergrund wiederum eine noch kleinere, schreinartige Stube mit einem kargen, leeren Tisch, an dem ich saß, niedergebeugt und träumend, eine räumliche Anordung, die offenkundig von William Blakes geheimnisvoller Zeichnung «A Vision» beeinflußt war. Otto, stehend neben dem Tisch, öffnete eine schmale Tür zur Hälfte, und die enge Stube füllte sich mit den geisterhaften Figuren seines Schauspielerlebens, eine nach der anderen schlich stumm herein, und er nannte sie bei ihrem Rollennamen, stellte sie mir vor, sofern ich sie nicht kannte. Ein wenig geniert ob der bedrückenden Menge seiner gespielten Figuren, hatte er sich ein wenig abgewendet ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Abschiede, Seite 47
von Botho Strauß
Vor sieben Jahren inszenierte Tina Lanik am Schauspiel Frankfurt die Uraufführung von Thomas Jonigks «Hörst du mein heimliches Rufen». Man kennt sich also, und es sieht so aus, als sei jetzt, da es am Münchner Residenztheater um Jonigks neuestes Stück ging, von Seiten der Regisseurin so was wie Leidensfähigkeit im Spiel gewesen. Das braucht es auch, will man beim...
Vier ganze Seiten braucht Intendant und Regisseur Ansgar Haag im Programmheft, um zu erklären, wie er sich diesen seinen «Hamlet» gedacht hat: ausgerechnet als einen nämlich, der der «deutschen Geschichte den Spiegel» vorhält.
Somit ist also nach Meininger Lesart nicht etwa in Dänemark, vielmehr im historischen Staate DDR etwas faul. Jahrzehnte nachdem der Rest...
Mit dieser Rede hätte er sich den Rest gegeben, wäre nicht ohnehin schon alles verloren und Dantons Tod längst ein abgekartetes Spiel der jakobinischen Tugendmafia. Der niederländische Film- und Bühnenstar Pierre Bokma bürstet die Titelrolle in Johan Simons’ Büchner-Inszenierung zur Spielzeiteröffnung an den Münchner Kammerspielen ganz gewollt gegen den Strich: als...
