Risse im Panzer
Ein wenig ist das wie Wrestling, wie Schattenboxen da vorne auf der breiten Bühne des Velodroms; und dann kommen auch noch Ausdruckstanz-Verrenkungen dazu, wie man sie aus der Raumschiff-Orion-Disco kennt: So versucht Regisseurin Petra Wüllenweber in ihrer «Penthesilea»-Inszenierung am Regensburger Theater mit ein paar Schauspielern ein großes Schlachtengetümmel anzudeuten, mit sphärischem Gedudel unterlegt.
So weit, so hilflos, und man möchte die Augen schließen für die nächsten zwei Stunden, wenn Hellgrau (Kostüme) in Steingrau (Bühne) die (grauenhaften) Amazonen auf die (schwarz-weiße!) Männerwelt treffen im Taumel der Hiebe und Triebe vor Troja.
Doch dann merkt man, dass es eigentlich ziemlich egal ist, wie und warum sich das Kriegsvolk da zofft, im Staub wälzt und durch die Kulissen jagt: Diese nur durchschnittlich motivierten Feldherren und -damen sind und bleiben bis zum Ende nur Staffage für ein großes Solo, das die Schauspielerin Silke Heise an diesem Abend spielt. Ihre Penthesilea tritt heraus aus der Geschichte, die Heinrich von Kleist aus den antiken Bruchstücken wie ein Archäologe kunstvoll und idealisierend zusammengesetzt hat, und wird Schritt für Schritt, Satz für ...
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