Lob der Verschwendung

Die Münchner Kammerspiele starten mit dreifachem Einsatz in die neue Spielzeit

Theater heute - Logo

Man mag Mottos mögen oder nicht, die Münchner Kammerspiele haben sich für die neue Saison jedenfalls nicht irgendein wohlfeiles Klassikerzitat als Wahlspruch angeheftet, sondern gleich ein Gebot von beinahe biblischem Format aufgestellt: «Du sollst nicht sparen» prangt da mit golde­nen Lettern auf dem Titel des Spielzeithefts, und als dekorativer Hintergrund dienen die schicken weißen Waben der neuen Allianz-Arena samt Namens­zug des Sponsors (wofür es aber, laut Aussage des Hauses, keinerlei finanziellen Transfer gegeben haben soll).

Angesichts wild um sich sparender Politiker und manchmal fast schon vorauseilender Sparbeflissen­heit seitens der Kultureinrichtungen, kann solch ein offensives Gegenwort gewiss nur gut tun – selbst wenn dabei, immerhin haben wir es hier mit einem der reichsten Schauspielhäuser der Republik zu tun, für manche auch eine gehörige Portion Koketterie mitschwingen mag. Aber schließlich bedingen sich Notwendigkeit und Verschwendung nirgendwo so unmittelbar wie in der Kunst. Wer sie in erster Linie – und sei es auf dem berühmten Umweg – rentabel machen will, entwertet unweigerlich den eigenen Einsatz. Gewinnen kann nur, wer zunächst einmal bereit ist, sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 50
von Silvia Stammen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Boten! Die Botschaft?

Eine Frau geht über die Bühne, ein Hund trippelt hinterher. Gelächter. Stumm und doch auf schnelle Wirkung bedacht, so beginnt – und bleibt die erste Inszenierung des neuen Intendanten Elmar Goerden in Bochum. Keine Botschaften, nur Boten. Aber auch keine Rätsel, keine Geheimnisse. Alles klar in Bochum, neuer Kommandant, kaum veränderter Kurs.

Mit Peter Handkes...

Hinter der Jalousie

Im Französischen meint «Jalousie» zweierlei: die Eifersucht und den Lamellenvorhang, der ein Geschehen hinterm Sichtschutz vor fremden Augen verschließt. Mit dieser Doppelbedeutung arbeitet Klaus Weises Inszenierung von Eugene O’Neills «Trauer muss Elektra tragen», für die ihm Man­fred Blößer den entsprechenden Raum baute. Einen «Tempel des Todes» soll das Haus der...

Wadenbisse ins Leere

Denken Sie nur: Schöne Frauen, die den ganzen Tag einkaufen, Geburts­tagsmenüs planen («Was heißt nochmal ‹Hummer› auf italienisch?») oder von der Liebe reden! Und Männer mit viel Geld, die diese Frauen auf Händen tragen und ihnen kostbare Armbänder aufdrängen. Dazu die etwas weniger schönen Frauen, die aber teuer zurechtgemacht sind und sich für den Rest mit...