Hinter der Jalousie
Im Französischen meint «Jalousie» zweierlei: die Eifersucht und den Lamellenvorhang, der ein Geschehen hinterm Sichtschutz vor fremden Augen verschließt. Mit dieser Doppelbedeutung arbeitet Klaus Weises Inszenierung von Eugene O’Neills «Trauer muss Elektra tragen», für die ihm Manfred Blößer den entsprechenden Raum baute. Einen «Tempel des Todes» soll das Haus der Mannons darstellen – ein gepolsterter Bunker in signalhaft leuchtendem Rot macht sich in den Godesberger Kammerspielen breit.
Sechs Türen führen in den Salon, die, wenn sie sich öffnen, scharfe lange Schatten eindringen lassen. Die Personen bleiben in der Weite dieser Grabkammer isoliert, zudem häufig getrennt von einer Zwischenwand. Größtmöglicher Abstand, um nur ja die Verhältnisse klar zu stellen. Dialoge à la distance.
Eifersucht ist der zentrale Antrieb der Figuren, bezogen auf Vater und Mutter, Sohn und Tochter, Bruder und Schwester und inzestuöse Regungen, die jeden Blutsfremden zum ausgeschlossenen Dritten stempeln. Jalousien wiederum schaffen – besonders im zweiten Teil der auf amerikanische Verhältnisse übertragenen antiken Atriden-Trilogie mit «Heimkehr», «Die Gehetzten» und «Die Heimgesuchten» – eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Stafettenwechsel nun auch in Halle. Auf etwas ruppige Weise waren die Honoratioren der Stadt und Peter Sodann letztendlich auseinander geraten. Sodann, der aus einem verrotteten Kino über Jahrzehnte hinweg mit Fantasie und Zähigkeit ein blitzblankes Kleinod gezaubert hatte (vgl. TH 2/2003), wollte sich von «seiner» Kulturinsel nicht trennen, die Stadt ihrerseits...
Franz Wille Herr Pierwoß, das Bremer Theater ist nur sehr knapp der Insolvenz entgangen. Wie fühlt man sich da als Generalintendant?
Klaus Pierwoß Als passionierter Bootsfahrer sage ich: Wir sind an einer tödlichen Klippe vorbeigeschrammt. Es ist nicht leicht, künstlerischer Leiter eines Unternehmens zu sein, dem das Kainszeichen der Insolvenz auf die Stirn...
Durch das Logo von Deutschlands größtem Kinder- und Jugendtheater fliegt neuerdings ein Flugzeug. Vorläufig nur auf Papier, doch bald soll es auch vom Bühnenturm des Theaters leuchten und damit eine alte Tradition wiederbeleben. Bis 1990 strahlte von dort nämlich der ursprüngliche Name des Hauses «Theater der Freundschaft» in Leuchtbuchstaben über den Berliner...
