Nichts ist, wie erwartet
Das Haus der vielen Zungen» von Jonathan Garfinkel ist ein poetisches, groteskes und nicht zuletzt verstörendes Theaterstück über den Mittleren Osten. Es vereint emotionale und politische Elemente in hoher Dosierung mit einer unerschrockenen Chuzpe. Jonathan Garfinkel nimmt Stellung, aber nicht Partei für ein hoch brisantes Thema, und für ihn geht politisches Engagement über politische Korrektheit hinaus. «Das Haus der vielen Zungen» ist verspielt, frech und tiefernst.
Der Autor wuchs mit seinen zwei jüngeren Brüdern in Toronto auf, im feinen Viertel Forest Hill.
«Wir waren konservative Juden mit einem leichten Schuss orthodoxer Einstellung», wie er in seinem kürzlich in Amerika erschienen Buch «Ambivalence» beschreibt. «Samstags gingen wir in die Synagoge mit getrennten Sitzen für Männer und Frauen.» Teil seiner jüdischen Erziehung war die Gegenüberstellung des Holocaust mit der glorifizierten Gründung des Staates Israel. Rückblickend erzählt er in diesem autobiografischen Buch, wie er mit der Unvereinbarkeit des orthodoxen Lebens in der Synagoge und der modernen Realität Kanadas gerungen hat. Die Freundschaft mit einer arabischen Israelitin führte ihn zu der Geschichte eines ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 159
von Holger Weimar
Was für ein schöner Titel: «Theater des Jahres 2008». Dankeschön, liebe Kritiker! Wir werden dieses Prädikat feiern, und Bernd Wilms, der im Abgehen ausgezeichnete Intendant, wird zum Anstoßen auf seiner alten West-Ost-Route von Charlottenburg nach Mitte in die Schumannstraße geradelt kommen. Glückwünsche werden jederzeit gerne entgegengenommen, unsere Grafik...
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein...
Die Theaterautoren des Jahres denken nicht an 68, zumindest lassen sie es sich nicht anmerken.
Simon Stephens beschäftigt sich mit der Frage, was Talent ist, und kommt zu anstrengenden Ergebnissen: Arbeit!
Ulrich Khuon feiert die Mülheimer Stücke-Preisträgerin und Dramatikerin des Jahres, Dea Loher.
Ewald Palmetshofer, Nachwuchsdramatiker der Saison, steckt...
