Von melancholisch nach aufgekratzt
Es war einmal eine Zeit, in der es keine Überwachungskameras an Tankstellen, keine Daten sammelnden Bordcomputer und keine Dashcams in Autos gab. Ein Mann begeht Fahrerflucht, eine junge Frau stirbt, ein Tankwart schweigt. Und außer dem Zuhörer wird keiner je die volle Wahrheit erfahren. Und es ist eine Zeit, in der Gier die Menschen zum Morden bringen. Wo der Traum des einen zum Albtraum des anderen wird. Was wiederum ziemlich zeitlos ist.
In seinem Hörspieltext «Fahrerflucht» lässt Alfred Andersch 1957 drei Menschen im Nachkriegsdeutschland, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, schicksalhaft und fatal aufeinander treffen. In Philipp Löhles «Fluchtfahrer» haben, ein halbes Jahrhundert später, alle sehr viel miteinander zu tun, und am Schluss gibt es ebenfalls Tote.
Beide recht kurzen Stücke hat der Regisseur Dominic Friedel am Stuttgarter Schauspiel zu einem Doppelabend zusammengebunden. In strenger, fast asketischer Form hat er Anderschs Text inszeniert, quälend lang erscheint am Anfang der Monolog des Tankwarts (Robert Kuchenbuch), der seinem bleichen Spiegelbild von Schuldgefühlen und lähmender Angst erzählt, die ihn aus Kriegstagen heimsucht. Dem Manager, der ihn ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Chronik Stuttgart Staatsschauspi, Seite 60
von Kristin Becker
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