Theaterheimat
Was ist bemerkenswert? Neben all dem wunderbar gespielten und intelligent durchdachten Großstadttheater, das die Theatertreffen-Auswahl wie jedes Jahr beherrscht, sollte man auch bemerken, dass das deutsche Stadttheater gelegentlich ein paar Anstrengungen unternimmt, um aus seinem Lieblingsbereich, dem intellektuell aufgeschlossenen Spätbürgertum, auszubrechen und von seiner Lieblingsaufgabe, der aufklärenden Unterhaltung und produkti-ven Verunsicherung, abzuweichen, und sich neue Zielgruppen und Aufgaben sucht.
Das hat oft etwas Willkürliches, Plötzliches, meist mangelt es an Kontinuität. Aber dass durch die deutschen Stadttheater mal wieder eine Welt sozialen Verantwortungsgefühls geht, ist eine Bemerkung wert.
Das Schauspiel Essen ist hier relativ früh und eifrig vorgeprescht. Nach einem halben Jahr Vorbereitungsarbeit hatte am Ende der letzten Spielzeit das Projekt «Homestories» mit Jugendlichen aus dem Essener Stadtteil Katernberg Premiere. Der Regisseur und Autor Nuran Calis hat zusammen mit der Theaterpädagogin Ines Habich ein Programm erarbeitet, in dem die Jugendlichen ihre eigenen Geschichten erzählen, Geschichten aus der Heimat, wo immer die ist oder war: Angola, ...
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Wer selbst beim Theatertreffen jahrelang mitjuriert hat, kennt das Haut-die-Jury-Spiel vom eigenen Buckel. Im Grunde ist es müßig: Denn immer haben sich die Juroren bei ihren verwickelten Entscheidungsprozessen etwas gedacht. Aber manchmal fragt man sich doch: was eigentlich? Warum haben sie sich unter den drei «Orestien» der Saison (Berlin, Leipzig, Frankfurt)...
Eine junge Frau erzählt von ihrem Promotion-Job, für den sie als einzige Qualifikation eine Kleidergröße 36, besser noch: kleiner, vorweisen musste. Ein junger Mann macht sich über die älteste Schildkröte der Welt auf Galapagos Gedanken, Old George, von dem er annimmt, dieser würde seit 150 Jahren seinen einzigen Gedanken nicht zu Ende denken können. Ein weiterer...
Wir Bildungsbürger und Abonnenten, Shakespearefreunde und Humanisten, wir Theaterkritiker und von engagierten Lehrern herangeschleiften Gymnasiasten – wir sind das Volk. Damit wir das nicht vergessen und auch nicht, dass die Tragödien des britischen Renaissance-Dramatikers William Shakespeare mit uns, dem Volk, zu tun haben, werden wir als solches angesprochen und...
