Die Kosmetik der Widersprüche
Was aus dem einen, sehr sehr langen Theaterstück, das René Pollesch in kleinen Fetzen an verschiedenen Orten seit Jahren zur Aufführung bringt, konsequent hervorscheint, ist die Sehnsucht des Autors nach der alten politisch-ideologischen Entweder-oder-Weltsicht, die mit fetzigen Ist-Sätzen Klarheit schafft, sowie der ewige Kampf dieser Sehnsucht mit dem Alltag des Kapitalismus, der leider ebenso geil wie verwerflich ist.
Diese Zerrissenheit führt Pollesch zu Sätzen wie «Das einzige Mittel, um zu Wohlstand zu kommen, ist der Ritual-Mord», «Solidarität ist Selbstmord» oder «Das einzige Abenteuer ist, uns gegenseitig im Stich zu lassen».
Solche absurden apodiktischen Behauptungen über das desaströse Dasein im alles infizierenden Ökonomismus, die den Rhythmus von Polleschs Sprachkanonaden vorgeben und sich aus einem immer umfangreicheren Reservoir an Theorien, Traktaten, Sachbüchern und Medienerlebnissen speisen, funktionieren allerdings nur dann, wenn sie komisch sind. Denn spricht man einen Satz wie «Das sieht ja aus wie Scheiße und nicht wie der Lebensstil, der von der Börse gehypt wird» ernst und beflissen, steht man schon mit einem Bein im Grab des Autonomen-Jargons.
Polleschs ...
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