Highway zum Himmel
Es ist umsonst. Egal, was der Tänzer im blauen Ringelshirt mit dem Laib Brot in der Hand auch anstellt, es wird ihn nicht satt machen. Er drückt das Brot kräftig an seine Brust, klemmt es sich unters Kinn, versucht es mit geballter Kraft zu brechen, bis er schließlich mit seinen Fingernägeln auf ihm herum kratzt, dass es einem kalt den Rücken runter läuft. Irgendwie gelingt es ihm doch noch, ein Stück davon abzubeißen, nur um es sofort wieder auszuspucken. – Was der Tänzer Elie Tass zu Beginn von Alain Platels neuem Stück «vsprs» ausspuckt, ist jedoch nicht nur das Brot.
Es ist zugleich ganz symbolkräftig der Leib Christi und mit ihm der Glaube und die Bindung an ein höheres Wesen und seinen Wertekanon. Die Tänzer werden beides während der drauffolgenden 100 Minuten, die das Stück an der Berliner Staatsoper Unter den Linden dauert, nicht wieder gewinnen.
Während Tass mit den Requisiten der Eucharistie kämpft, zieht sich neben ihm der Tänzer Ross McCormack blitzschnell aus. Er strampelt die Schuhe weg und wirft seine Anzugshose zur Seite (Kostüme: Lies van Assche), wobei er einen regelrechten Veitstanz aufführt, der typisch ist für die Bewegungssprache des Stücks. Rosalba Torres ...
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Barbara Burckhardt Seit Ihrem Episodenfilm «Lichter» (s. TH 4/03) haben Sie verstärkt und wohl mehr als jeder andere deutsche Filmregisseur mit Theaterschauspielern gearbeitet. Manche haben Sie erst fürs Kino entdeckt, wie August Diehl für das Hacker-Drama «23», der auch in «Lichter» spielte, zusammen mit Devid Striesow, den wir vorher auch nur aus dem Theater...
Eine Renaissance seines Theaters wird es nie mehr geben. Man kann sich nur noch mit Hilfsmitteln daran erinnern, was Tadeusz Kantor auf der und für die Bühne bedeutet hat: Video-Mitschnitte der Aufführungen, endlose Reihen von (Schwarz-Weiß-)Fotos, Manifeste, Partituren, Skulpturen, Kostüme, Bühnenbilder, Grafiken und Emballagen – Relikte, allein in «seiner» Stadt...
So richtig politisch korrekt sieht diese Freitag-Skulptur ja nicht gerade aus. Der aus dem Jugendbuchklassiker «Robinson Crusoe» bekannte Ex-Kannibale, dem der Bühnenbildner Marc Warning auf der Bühne der Münchner Kammerspiele ein raumfüllendes Denkmal setzt, ist dem einsamen Urvieh King Kong wie aus dem Gesicht geschnitten: dieselben traurigen Hängeschultern,...
