Die Kunst als Möglichkeitsraum
Die Frage danach, wo für mich die Freiheit der Kunst ende und welches Beispiel aus der Arbeit im Zentrum für Politische Schönheit hierbei erkenntnisreich sei, beantworte ich hier zum vielleicht richtigen, aber unangenehmen Zeitpunkt. Der Blick auf die Grenzen der künstlerischen Freiheit ist nach innen gerichtet. Und doch ändert sich ständig die Blickrichtung. Ich versuche mal eine Momentaufnahme.
Unsere letzte Aktion endete gerade mal vor ein paar Tagen.
Sie hieß «Flüchtlinge Fressen – Not und Spiele» und könnte qua Setzung und Ablauf auch als Spielanordnung zur gar nicht mal so beiläufigen Beantwortung genau jener und ähnlicher Fragen herhalten. Doch nach Wochen und Monaten im Auge des Sturms eines facettenreichen und aufwendigen Spiels wird mein Reflexionsbedürfnis noch vom Wunsch nach Pause und Abstand verdrängt – auch weil es während der Aktion schon überraschend tief befriedigt wurde. Die Schaffung regelmäßig eingebauter diskursiver Zugänge für Akteure, Beobachter und Experten war diesmal ein Kernelement. Es war unabdingbar, um die losen Enden zu verknüpfen, die wir bei Aktionsstart präsentierten: die gleichzeitige Probe an einem dystopischen und einem utopischen Stück – das ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 114
von André Leipold
In der Kurzgeschichte «Vibrationshintergrund» von Selim Özdogan beschreibt der Autor seine Begeisterung für die Wortneuschöpfungen, die dadurch zustande kommen, dass Kinder sich verhören. Er selber verstand als kleiner Junge statt «Zivilcourage» «Zivilgarage» und stellte sich darum eine Garage voller Polizisten in Zivil vor. Nun kommt in seiner Kurzgeschichte seine...
Weil ein guter Freund nicht richtig weiter weiß mit seiner Schülerin, bat er mich, einen Blick auf sie zu werfen und sie wenn möglich zu übernehmen, was natürlich auf einer gewissen Gegenseitigkeit beruhen sollte, die zu überprüfen wäre …» Mit diesen Worten beginnt Anja Hillings neues Stück «Massiver Kuss». ER, der dort spricht, ist Auguste Rodin, berühmter...
An fahrbaren Infusionsständern trippeln und schlurfen ein paar alte weiße Männer. Erinnerungsfetzen liegen in der Luft. Ein überlebensgroßer schwarzer Mistkäfer tritt auf und rollt eine Dungkugel hinter sich her. Der Käfer gehört zum Unterhaltungsprogramm, sein Gesang handelt vom Kreislauf des Lebens. Die Pflegerin, die den Käfer gespielt hat, zieht ihr Kostüm aus...
