Imitation of Life

Hannover Schauspielhaus: Christian Kracht «Faserland», Ibsen «Nora»

Theater heute - Logo

«Faserland», Christian Krachts einst so aktuelles Zeitbild der neunziger Jahre hat inzwischen selber Patina angesetzt. Vieles von dem, was Kracht beschreibt, liest sich heute wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit, in der nach dem Ende des Kalten Krieges in den Feuilletons vorschnell vom «Ende der Geschichte» gesprochen wurde und der 11. Septem– ber samt «Krieg gegen den Terror» noch vor uns lagen.

Eine Zeit der Orientierungslosigkeit, in der sich jahrzehntelange gesellschaftliche Großkonflikte plötzlich auflösten und die größte Massenbewegung nicht Attac, sondern die Love Parade war.

Robert Lehniger lässt dieses Zeitbild als faszinierendes, mehrdimensionales Psychogramm wiederauferstehen. Vier Schauspieler (Lisa Natalie Arnold, Dominik Maringer, Oscar Olivo, Sandro Tajouri und Martin Vischer) sprechen auf einem Bühnenpodest (Bühne und Kostüme: Irene Ip) Krachts Text und begeben sich auf eine Deutschlandreise. Im Hintergrund eine Leinwand mit Videoprojektionen von den Orten von damals, an die die Schauspieler 17 Jahre später mit einem Kamerateam zurückgekehrt sind. Die Verbindung dieser Bild- und Textebene klappt wunderbar, vor den Dünen auf Sylt spricht Martin Vischer vom ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Alexander Kohlmann

Weitere Beiträge
Hair Metal

Ein Geschenk. Florian Etti hat die Bühne des Braunschweiger Staatstheaters als Geburts–tagspäckchen verpackt, mit rosalieblichen Streifen und abgerundeten Ecken, an denen sich trefflich abrutschen lässt, wenn sich jemand in rebellischer Wut gegen die Wände wirft. Das Bühnenbild mag zwar süßlich aussehen, aber man braucht sich nichts vorzumachen: Man sieht diese...

Franz Wille: Die Bar gewinnt

Wer auf den verschlungenen Treppenhaus-Wegen ins Atrium des Züricher Schiffbaus, der ersten Station von Frank Castorfs «Amerika»-Reise, achtlos an der Schüssel mit kostenlosen Ohrstöpseln vorbeigegangen ist, dürfte seinen Hochmut bald bereut haben. Oben angekommen, in einem riesigen, von drei Bal­konetagen umrahmten Innenhof, wartet nicht nur das großzügig...

Barbara Burckhardt: Generation Clavigo

Es geht ums Reden, Feiern, Austausch. Ums Kennenlernen und Befreunden. Und es geht ums Gewinnen. Für eine oder einen enden die sechs Tage des Wettbewerbs der Regieschulen in der Gaußstraßen-Dependance des Hamburger Thalia Theaters mit einer Urkunde und 10.000 Euro Produktionskostenzuschuss für die nächste Arbeit an einem deutschen Stadttheater oder in der Freien...