Vorzeitiger Abgang
Der Ausdruck «das Handtuch werfen» stammt aus dem Boxsport. Ein Boxer wirft das Handtuch, wenn er von den Schlägen des Gegners dermaßen demoralisiert ist, dass er keine Chance mehr sieht, das Match zu gewinnen. Die Metapher lässt sich auf den Fall des Düsseldorfer Intendanten nur bedingt übertragen – die offizielle Diagnose lautet ja: «Burnout» –, und doch fragt man sich, welche Schläge es gewesen sein mögen, die Staffan Valdemar Holm nach nur 15 Monaten zum Rücktritt zwangen.
Es ist dies ja binnen weniger Jahre bereits der zweite Amtsverzicht in Düsseldorf: Amélie Niermeyer ging nach fünf Jahren; sie ließ sich auf eine Professur am Salzburger Mozarteum berufen.
Nun legt der Schwede Holm, dessen Ernennung mit vielen großen Erwartungen verknüpft war, sein bedrückendes Attest vor, kaum dass seine zweite Spielzeit begonnen hat. Man fragt sich: Was ist da los? Ist das ärztliche Bulletin die offizielle Ummantelung des Scheiterns eines Mannes, der nur «gebrochen Deutsch» spricht und mit den komplizierten Verhältnissen in der Metropole am Rhein überfordert war? Oder gibt es etwa unüberwindliche strukturelle Probleme an einem der größten Schauspielhäuser im deutschen Sprachraum, das hin ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Martin Krumbholz
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«Gutes Viertel» nennt Rebekka Kricheldorf das Ambiente, in dem die Klemmers leben: Patriarch Fabian und sein guter Sohn, der Arzt Ingo mit seiner Psychotherapeutenfreundin Solveig. «Schlechtes Viertel» kommt nur per Fernsehen ins Wohnzimmer. Und in Gestalt von Raul, dem bösen Sohn, der sich vor Jahren aus dem «Mumienviertel» verabschiedet hat, um seinen...
Im Kaiserslauterer Pfalztheater gab es zu dieser Spielzeit einen Führungswechsel. Für den scheidenden Intendanten Johannes Reitmeier kam Urs Häberli. Der neue Schauspielchef heißt Harald Demmer und kündigt in seiner ersten Spielzeit als Spartenleiter Premieren wie Elfriede Jelineks «Winterreise» und direkt zum Auftakt Felicia Zellers «Kaspar Häuser Meer» an. Man...
