Erkenntnis! Energie! Bewusstsein!
Theater heuteHerr Rühle, was missfällt Ihnen so vehement am zeitgenössischen deutschsprachigen Theater?
Günter RühleBei den augenblicklichen Entwicklungen am Theater geht es nicht um Missfallen, sondern um die Veränderungen, die wir Theaterbesucher mit unseren Erlebnissen und mit unseren Vorstellungen von Kunst und der Funktion von Theater in Verbindung bringen. Diese Veränderungen können wir nicht mehr sympathetisch
begleiten, weil wir sie als Verluste empfinden. Ich sage das so deutlich, weil die heutige Kritikergeneration völlig anders bewertet.
Sie haben beim diesjährigen Theatertreffen zum ersten Mal nicht ausverkaufte Premieren. In den Pausen flieht das Publikum.
THDas hat es schon immer gegeben. Erinnere mich gut an Türenknaller bei Schleefs «Vor Sonnenaufgang» und Marthalers «Wurzel aus Faust»
RühleDieses Mal war es besonders auffallend – und ich habe mich zum ersten Mal daran beteiligt! Ich bin ja unbeschränkt leidensfähig im Theater, aber dieses Jahr ist es mir schwer gefallen. Und das hängt mit den Verlusten zusammen. Beispiel: «Kasimir und Karoline». Eine Aufführung, die von außen kalt inszeniert ist. Man merkt deutlich, diese Regisseure haben ihre Bildung aus dem ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Zeitreise, Seite 80
von Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille
Es ist noch nicht so lange her, da ging man in diesem Outfit eher auf ein Brian-Adams-Konzert. In Karohemd und enger Jeans. Auf Du-und-Du mit dem ehrlichen Rocker. «In the Summer of ’69» (anno 1984). Und jetzt ist das das Outfit für die Volksbühne, für Fabian Hinrichs zumindest. Noch ein Handshake im Saal mit Christoph Schlingensief vor der Premiere, ein Hallo zum...
Eigentlich war es ein Kamikaze-Unternehmen – und wurde das Theaterwunder des letzten Sommers: Ein vier Stunden langer Abend über die Liebe in bedrängten Umständen, die gegen alle Erwartung und Erfahrung nicht scheitert, weil beide Beteiligten, der (bald schon abgebaute) Herrenmodenverkäufer Johannes Pinneberg und die Näherin Emma Mörschel, genannt Lämmchen, einfach...
Unspektakulärer kann Nacktheit wahrscheinlich nicht mal am FKK-Strand rüberkommen. Kein handelsübliches Murren regt sich im Silbersee des Schauspiels Hannover im vorderen Parkett, kein Kichern in den reich mit Schulklassen besetzten hinteren Reihen. Dass Sandra Hüller als Parzival die Bühne splitterfasernackt betritt und das auch eine ganze Weile bleiben wird,...
