In den Klauen des Kapitals
Die Raffgier der Menschen ist zeitlos. Vielleicht spricht man in unseren Tagen mit anderen und komplizierter klingenden Worten über Aktien, Dividenden, Kurse und Erträge, die Sucht nach Gewinnen, Mitnahmen und Rücklagen ist aber ebenso rücksichtslos, zerstörerisch und entlarvend wie zu Zeiten Carl Sternheims, der mit seinem Lustspiel «Die Kassette» 1911 das geniale Porträt einer bürgerlichen Gesellschaft in den Klauen des Kapitals schrieb.
Wie hier die Aussicht auf ein stattliches Erbe den doppelmoralisierenden Figuren den Boden der Anständigkeit unter den Füßen wegzieht, wie hier der blank-blinde Neid in die biedere Plüschigkeit fährt: Das ist in seiner berechnenden Übertreibung eine schauerliche Momentaufnahme allzu menschlicher Unzulänglichkeit, die an Gültigkeit nichts eingebüßt hat.
Warum also wird dieser Carl Sternheim so selten gespielt auf deutschen Bühnen, wo er doch einst mit seinen Stücken Stammgast war? Es liegt sicherlich an der Sprache, die strotzt vor Manierismen: Das Staccato der Dialoge in den Komödien prasselt auf einen nieder, und man verirrt sich ja schon beim Lesen zwischen «barocker Absurdität, wilden Metaphern und abgehackter A-Rhythmik» in ihnen, wie der ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack
Oliver ReeseSimon Stephens, gestern war die Uraufführung Ihres neuen Stücks. Wie war’s?
Simon StephensWas für ein Einstieg! Das Stück heißt «Wastwater» nach einem See im Lake District im Norden Englands. Es ist der tiefste See in England, aber das Stück hat absolut nichts mit dem See zu tun.
ReeseAlso wie «Pornographie», das ja auch nichts mit Pornographie zu tun...
Beim neuen ZDF-Kulturkanal, seit Anfang Mai digital auf Sendung (also nur für eine begrenzte Anzahl von Zuschauern überhaupt empfangbar), müsste die Ausstellung, die die Deutsche Kinemathek zu «Experimentelles Fernsehen der 60er und 70er Jahre» zusammengetragen hat, tiefe Neidgefühle auslösen. E und U, das der Kulturkanal als mannshohe Großbuchstaben...
Bernd NoackHerr Zehelein, Sie engagieren sich als Präsident des Deutschen Bühnenvereins sehr für die Landesbühnen. Was fasziniert Sie denn so besonders daran?
Klaus ZeheleinLandesbühnen sind keine Wandertheater, die Gastspiele absolvieren, sondern sie sind Theater für jene Regionen, die nicht über feststehende Theater verfügen. Im Gegensatz zu den Tournee-Theatern...
