Die Optionsbürger-Schlampe

Reifer Materialismus in der Schaubühne: Thomas Ostermeier inszeniert Ibsens «Hedda Gabler»

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Neuerdings sind Ibsens bürgerliche Damen ziemlich schnell mit der Knarre. Anne Tismers Nora hatte ihren Helmer vor drei Jahren an der Schaubühne so nachhaltig durchlöchert, dass er mit seinem letzten Satz im überschwappenden Aquarium landete. Susanne-Marie Wrages Hedda Gabler 2003 in Basel kugelte wie Halle Berry durchs Wohnzimmer, die Beretta nach halbem Überschlag filmreif im Anschlag.

Und Katharina Schüttler, ebenfalls Hedda jetzt in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung, zerlegt beim morgendlichen Schießtraining die Bodenvasen reihum, während die leeren Hülsen nur so aus der Halbautomatischen klackern. Hat sich die Russenmafia stilbildend in den gediegenen Quartieren eingenistet, oder sind bürgerliche Ehedramen mittlerweile zum infanteristischen Häuserkampf aufgerüstet?

Weder noch. Obwohl General Gablers gute alte Duellpistolen in der Tat ausgedient haben. Die einschüssigen Vorderlader sind handlichem Dauerfeuer gewichen, soviel zur technischen Seite des historischen Fortschritts. Auch die soziale Architektur sowie psychische Innenausstattung der Villenbewohner bleiben davon nicht unberührt. Die Folgen jeglichen Kalibers erweisen sich als reichlich durchschlagend. 

 

Berl ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 4
von Franz Wille

Vergriffen
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