Wörter ohne See
Jesus sieht aus wie Hermes Phettberg, nur die Jeans sind nicht so versifft wie beim Original. Jesus ist Protagonist des neuen Franzobel-Stücks «Wir wollen den Messias jetzt oder Die beschleunigte Familie», einem Auftragswerk des Burgtheaters. Es handelt sich, wie der barocke Titel schon sagt, um eine Mischung aus Passionsspiel und Familiendrama: Der Erlöser ist ein fetter Couch Potatoe, der lieber vor dem PC masturbiert als seinen ehelichen Pflichten nachzukommen; seine Familie (Vater, Mutter, Schwager) ist eine Ansammlung kleinbürgerlicher Monster.
Ungefähr so hätte es vielleicht ausgesehen, wenn Werner Schwab «Das Leben des Brian» geschrieben hätte.
Nachdem ihm in Gestalt einer «geilen Alten» die göttliche Erleuchtung widerfahren ist, erschlankt Jesus auf wundersame Weise, er singt eine philosophisch aufgefrischte Version des Hohelieds der Liebe («Wenn ich Zizek und Baudrillard und Derrida gelesen hätte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts») und predigt die politisch korrekte No-Logo-Lehre: Keine Chiquita-Bananen! Keine Nike-Turnschuhe! Kein Shell-Benzin! Aber die Menschen missverstehen seine Lehre («Er hat gesagt, wenn wir keine Bananen essen, kommen wir in den ...
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Der Weg durch das neue Museum von Yad Vashem führt in einem Berg durch ein tiefes Tal. Der Architekt Moshe Safdie hat das im Querschnitt dreieckige Gebäude tatsächlich wie einen Keil in den Har Hasikaron (Berg des Gedenkens) gebaut, und die Zickzackstrecke, die man von der Machtergreifung Hitlers bis zur Ankunft der Überlebenden in Eretz Israel zurücklegt, hat...
Das Spiel der Macht ist ohne Zweifel ein Schachspiel. Man wechselt Position und Richtung, wenn es die Situation erfordert. Setzt auf Figuren, um sie im nächsten Moment der Taktik zu opfern. Und hofft, dass am Schluss die eigene Strategie aufgeht.
Im Sinne einer solchen Spielanleitung hat Frank-Patrick Steckel «Othon» von Pierre Corneille verstanden und die selten...
Wer Hans Christian Andersens anlässlich seines 200. Geburtsjahres gedenkt, dem fallen zwar Streichholzmädchen, Seejungfrauen und Schneeköniginnen ein, aber keine einzige Dramenfigur. So bekannt der dänische Dichter als Märchenerzähler ist, so wenig weiß man über ihn als Theaterautor, der die Bühne glücklos liebte und insgesamt immerhin rund 40 Schauspiele und...
