Verrat, Schuld, Erinnerung
Es gibt Heerscharen von Schauspielern hier am Rio de la Plata. Sie stehen Abend für Abend auf einer von nahezu vierhundert Bühnen, verdienen mit Schauspielunterricht etwas Geld und halten sich mit anderen Brotjobs über Wasser. Und es gibt diese Mischwesen, die gleichzeitig Autor, Regisseur und Schauspieler sind. Alejandro Tantanian ist einer der bekanntesten.
Und dann wäre da noch Rafael Spregelburd, der sich mit seinen zeitgenössischen Varianten zu den sieben Todsünden des Hieronymus Bosch bei uns durchsetzte und dessen neuestes Stück «Bloqueo» demnächst im Theatro del Pueblo zur Uraufführung kommt. An einem der ersten Augustabende traf man die beiden im Theatersaal des Goethe-Instituts mitten im Geschäftsviertel von Buenos Aires.
Es gab die spanischsprachige Erstaufführung von «Mala Zementbaum» (abgedruckt in TH 2/07), das Armin Petras zusammen mit Thomas Lawinky nach dessen Stasi-Outing geschrieben hat. Der Dialog eines Ex-Spitzels mit seinem ehemaligen Führungsoffizier wurde im Rahmen eines Zyklus’ neuer deutschsprachiger Dramatik zusammen mit Inszenierungen von Anja Hillings «Mein junges idiotisches Herz», Darja Stockers «Nachtblind» und Händl Klaus’ «Wilde – Der Mann mit den ...
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Bis vor kurzem residierte sie noch in einem großen, etwas schummrig beleuchteten Raum, der mit seinen langen Arbeitstischen fast einem Großraumbüro glich. Obwohl auf Grund der Gesamtmorbidezza des Gebäudes wahrscheinlich niemand auf die Idee gekommen wäre, es je so zu nennen. Unterstrich doch die Arbeitssituation eher den Familiencharakter des Unternehmens...
Wieviele Leben stecken in einem Leben?
Manchem hätte es schon für’s ganze Dasein gereicht, was der gebürtige Ungar György Tabori in seiner Budapester Kindheit, in seinen jungen Jahren in Berlin und dann in der Emigration als Auslandskorrespondent und als Mitarbeiter des britischen Secret Service (Deckname: Captain George Turner) auf dem Balkan, in Istanbul,...
Hans Städeli hatte es «streng» am 29. Januar 1956. Ein «Dreiteiler» stand an. So hieß im Jargon der Zürcher Bühnenarbeiter eine Tagesschicht, in der sie dreimal zum Auf- und Abbauen antanzen mussten. Tagsüber gabs Repertoire, abends eine Uraufführung, die als Meilenstein der Theatergeschichte gilt – und Friedrich Dürrenmatt reich und berühmt machen sollte: «Der...
