FURCHT UND EKEL. Das Privatleben glücklicher Leute
Für Arthur, Danilo und Feine Sahne Fischfilet.
Das Stück beruht auf Augenzeugenberichten und Zeitungsnotizen aus den Jahren 2007 bis 2013.
Schrägstriche (/) im Text deuten überlappenden Sprecheinsatz durch den nächsten Sprecher an.
Das Werk ist eine Auftragsarbeit des Staatstheaters Stuttgart
1. Abfertigung / Der Verrat
Flughafengeräusche. Karl und Meret mit Handgepäck.
Meret Jetzt ist es eh zu spät.
Karl Meine, meine-- Ich hatte doch meine Brille nicht mal auf.
Meret Jetzt sind sie drin, durch die Sicherheitsschleuse. Tschüss.
Karl Wie sollte ich ohne meine Brille-- Ich kann nicht mal Auto fahren. Wie sollte ich erkennen, was da los ist? Es ging ja auch dermaßen schnell. Er kam rein, hat mich angesehen und hat sich in der Kabine versteckt. Ich / am Händewaschen.
Meret Er hat was?
Karl Die kommen rein: Ist hier ein Afrikaner rein?
Meret Er hat dich angesehen?
Karl Was spielt das für eine Rolle? Was sollte ich machen? Ist hier ein Afrikaner rein? – Afrikaner? Es war ein Reflex. Ich hab hin gesehen, zu der Kabine. Nur hingesehen. Gesagt hab ich nichts.
Pause.
Karl Gesagt hab ich nichts. Soll ich mir ein Verfahren einhandeln, Verhinderung der Amtsausübung. Warum tun ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Das Stück, Seite 99
von Dirk Laucke
Es ist die nämliche Atmosphäre von Biedersinn und Bedrückung, von Wiederaufbaustolz, Verdrängung und versäumter psychischer Trümmer-Beseitigung, die auch Sönke Wortmanns «Das Wunder von Bern» nachzeichnet. Bei Wortmann geht es, ganz banal, um die Fußball-WM 1954, in Giulio Ricciarellis Film «Im Labyrinth des Schweigens», der wenige Jahre später spielt, um die...
Vor einigen Jahren, ich war Dramaturg am Schauspielhaus Bochum, später in Zürich, wurde mir das deutschsprachige Produktionssystem unheimlich, weil seine Begriffe, mit denen ich aufgewachsen bin und auch gewohnheitsmäßig umging, nicht mehr zu erfassen schienen, was da plötzlich entstanden ist in den späten 90ern und frischen Nullerjahren des neuen Milleniums....
Die letzte Rolle, die Guntram spielte, war Faust. In einer kurzen Paraphrase des zweiten Teils, die Patrick Steinwidder für das Nachwuchsfestival «MarstallPlan» am Ende der letzten Spielzeit unter dem Titel «Final Faust II Fantasy» entwickelte, wurde dieser Faust von einer Schwester, die verdächtig viele Mephisto-Texte sprach, in einem Krankenzimmer beim Sterben...
