Wir bleiben wach

Ein Brief aus Teheran

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Noch nicht geboren, neu geboren oder ganz klein waren wir, als unsere Eltern die Teheraner Straßen eroberten und Hand in Hand schrieen: Unabhängigkeit, Freiheit, Islamische Republik – die haben sie bekommen.

 

Acht Jahre heiliger Krieg mit Irak ist eng an unsere Kindheit geknüpft: Mama, was ist Krieg? – Es gibt Feinde, die uns unser Land nehmen wollen. Wir müssen aufpassen. Die Väter gehen in den Krieg, die Mamas helfen den Vätern. Wir müs­sen im Krieg stark miteinander sein. Wir müssen kämpfen, um unser Land zu retten.

 

Leben in der Doppelmoral

Der Krieg war zu Ende, sein Schatten immer noch da: In unseren Schulen, in unseren Familien, in unseren Kinderspielen. Bewusst oder unbewusst haben wir gelernt, dass Freiheit, Unabhängigkeit, Islamische Republik Worte sind, für die viel Blut geflossen ist. Worte, von denen unsere Eltern träumten, wurden der Albtraum unseres Lebens. Ein Albtraum, in dem wir alle gleich aussehen, gleich denken, gleich sprechen und gleich glauben mussten. Ein Albtraum, der keinerlei Pluralität tolerierte. Irgendwann haben wir von unseren Eltern gelernt, uns in der Doppel­moral einzurichten: Wir in unserer Privatsphäre, wir im öffentlichen Raum ... ist Teil ...

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Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Das Stück, Seite 52
von Zoha Aghamehdi

Vergriffen
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