Göttergatte
Einerseits würde man gerne den freien Blick runter auf die Dächer Heidelbergs genießen. Da ist aber auch Simone Blattners Inszenierung und das Gefühl, man dürfe keine der Sentenzen verpassen, mit denen Kleist von der Not eines Sterblichen berichtet, dem ein Gott die Gattin und dieses Wörtchen «Ich» rauben will. Alkmenes finales «Ach» ist der Seufzer einer Frau, die ahnt, dass sie es im Bett nie mehr so gut haben wird wie gerade eben, während der Gott nicht so recht weiß, war er nun Jupiter oder nur der Latin Lover.
Wen meint die seufzende Alkmene eigentlich: den Gott im Gatten oder den Gatten im Gott? Beide und keinen, kann man sagen, nachdem Simone Blattner sich ganz auf Kleists Sprache und eine entschlackte Spielfassung konzentriert hat. In Zeiten verwirrter Identitäten kann eben keiner gewinnen. Blattner dagegen gewinnt, indem sie dafür sorgt, dass Kleists Ich-verschlingende Syntax einen ungeheuren Sog entwickelt. Man lauscht atemlos, während sich rund um einen Stein in der Mitte der kleinen, runden Spielfläche ganz unterschiedliche exzentrische Fluchtbewegungen entwickeln.
Alle Kleist-Figuren wollen weg aus dem Zentrum des Identitätsverlustes. Susanne Buchenbergers ...
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