Sekunde durch Hirn
Einer sehr pessimistischen Philosophie zufolge ist die Entfremdung in Gesellschaften der bei uns vertrauten Art so weit vorangeschritten, dass kein Rest bleibt, keine Regung, kein Wunsch und kein Begehren, die nicht die Imperative der vermarkteten und verwalteten Welt vollstrecken.
Das Bestechende an dieser düsteren Interpretation ist ihre Unwiderlegbarkeit. Wer widerspricht und dabei auf seine Freiheit pocht, verrät nur seine Naivität.
Er (oder sie) hat einfach noch nicht gemerkt, dass das «System» längst die innersten Bezirke des Selbst erobert und seinen Sinn genormt, geformt hat. Was immer sich die Individuen vorstellen, was sie denken, wollen, wählen – es fügt sich, wie von höherer Hand geleitet, in die bestehende Ordnung ein. Die «Multioptionsgesellschaft» ist ein grandioses Ablenkungsmanöver, Teil des Plans einer Vorsehung, die ihr Werk – fundamentale Alternativen aus den Köpfen und dem Streben der Menschen zu verbannen – mit rein irdischen Mitteln vollbringt. Dem Anschein nach kontrastreich, vielfältig, individualistisch wird das Leben in Wahrheit von Monotonie und Konformismus beherrscht und verströmt im festen Griff des falschen Insgesamt. Ich halte diese schwarze ...
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Nach 42 Produktionen mit 275 Aufführungen an 21 Orten, 125.000 verkauften Eintrittskarten und einer Auslastung von 94 Prozent, so die Bilanz des Festivals, knüpft das Leitungsduo Hortense Archambault und Vincent Baudriller quantitativ an die Vorjahreserfolge an. Qualitativ stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, fast lückenlos den weltweiten Festivalmainstream...
Am Ende einer Spielzeit, in deren programmatischem Zentrum «Macht und Rausch» stehen sollten, hat das Ur-Stück zum Thema nicht fehlen dürfen – «Bakchen», das Schlachten-Spektakel des Euripides über die finstre Rache eines Gottes; und über die Unfähigkeit des Menschen, die soziale Kontrolle zurück zu gewinnen, wo doch um ihn herum gerade alle und alles (und auch das...
Es sieht schon heute recht eng aus auf dem Probebühnenareal der Hamburger Staatstheater. Gefangen zwischen Garagen, Mietshäusern, S-Bahn-Gleisen und einem verwahrlosten Areal mit Werkstattschuppen, das an die Nachkriegszeit erinnert, liegen die Probebühnen vom Deutschen Schauspielhaus und dem Thalia-Theater, das hier an der Gaußstraße auch seine Studiobühne sowie...
