Wiesbaden: Apokalypse mit Glühbirne

Wiesbaden, Kleines Haus, Philipp Löhle «Kollaps» (U)

Theater heute - Logo

Dass die mindestens hundertachtzig Fremdsprachen beherrschende Karrieristin Verena Schütz (Barbara Dussler) nach ihrem Bewerbungsgespräch im Stadtpark beinahe von einer Krähe erschlagen wird, schürt natürlich erst einmal große apokalyptische Hoffnungen. Das Internet versagt, der Strom fällt aus, die Konsumenten schieben Panikattacken, und das Animalische segelt ihnen im freien Fall vor die Füße: Klingt nach einer zünftigen Wohlstandsbürger-Dämmerung, bei der es endlich mal die Richtigen trifft.

Je weiter Philipp Löhles «Kollaps» allerdings voranschreitet, desto bescheidener nimmt er sich gegen verbriefte Katastrophen-Klassiker wie Alfred Hitchcocks «Vögel» tatsächlich aus.

 

Denn was zunächst nach Weltuntergang aussieht, erweist sich letztlich nur als Kurzzeit-Störfall. Ein paar lichtlose, unvernetzte und entsprechend vermeintlich perspektivlose Stunden lang wird der gemeine außengeleitete Zeitgenosse quasi auf sein Innerstes zurückgeworfen – wo es, wie wir wissen, in aller Regel nicht besonders üppig ausschaut. Der Uraufführungsregisseur Jan Philipp Gloger, der Löhles Auftragswerk fürs Hessische Staatstheater Wiesbaden ansonsten mehr oder weniger vom Blatt spielen lässt, ist an ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2015
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Wahn mit Wucht

Egal, wie tief sich eine Aufführung in den Wahnsinn hineinarbeitet, am Ende bleibt bei «Macbeth» doch das Gefühl, dass man den Abgrund, in dem das Stück und das Ehepaar gleichen Namens versinken, verfehlt hat. «Macbeth» gilt als eher einfaches Shakespeare-Drama, vor allem wegen der einspännigen Handlung, trotzdem bleibt da etwas, was das Stück am Ende immer tiefer,...

Premieren im Juni · Hinweise · On Tour · Suchlauf

Aschaffenburg, Stadttheater

10. Sternheim, Der Snob

R. Jürgen Overhoff 

 

Augsburg, Theater

19. Achternbusch, Gust

R. Anton Koelbl und Tjark Bernau

 

Baden-Baden, Theater

19. Goldoni, Der Diener zweier Herren

R. Barry Goldman

 

Basel, Theater

16. Castellucci, The Parthenon Metopes

R. Romeo Castellucci

19. Aufbruch. Die letzten 48 Stunden

R. Petra Barcal


Berlin,...

Berlin: Plastik & Plastik

So kann man Dr. Heinrich Faust auch sehen: ein adretter Herr im dunklen Anzug, grelle Blässe im Gesicht, je nach Alter mal mit, mal ohne Bart, der gerne und viel redet. Solche mittleren Univer­sitätsangestellten sind mehr denn je verbreitet, weshalb der wortreich hadernde Herr Professor in «Faust I» gleich viermal vertreten ist und sich die Versbrocken brav...