Sophia Löffler als Kassandra mit dem Jugendchor; Foto: Matthias Heschl/Schauspielhaus Wien
Wien: Vergib uns unsere Schulden
Dafür, dass er aus der Generation Pop stammt, hat der oberösterreichische Dramatiker Thomas Köck (geb. 1986) ein erstaunliches Faible für klassische Musikformen. «Paradies fluten» war als «verirrte Sinfonie» ausgewiesen, sein jüngstes Werk «Die Zukunft reicht uns nicht» firmiert nun als «postheroische Schuldenkantate»; der Untertitel «Klagt, Kinder, klagt!» zitiert eine Bach-Kantate (BWV 244a), von der allerdings nur der Text erhalten ist.
Wie eine Kantate ist das Stück als Abfolge von Chor- und Solopassagen aufgebaut, was formal zugleich jener frühen Version der griechischen Tragödie entspricht, in der dem Chor nur ein Protagonist gegenübersteht. Auch Stephan Webers strahlend weiße Bühne (ein offenbar an die Akteure adressierter Zettel warnt: «Keine Straßenschuhe auf der Bühne!») verweist mit ihrer breiten Treppe auf das antike Theater.
Obwohl im Vordergrund – in weiße Säcke verpackt – Leichen aufgereiht sind, lässt sich die vom Autor selbst gemeinsam mit Elsa-Sophie Jach inszenierte Uraufführung geradezu idyllisch an. Zu zarten Klaviertönen lässt Protagonistin Sophia Löffler wieder und wieder ein mechanisches Vögelchen fliegen. Ihr seliges Lächeln wird sie an diesem Abend nicht ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 69
von Wolfgang Kralicek
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