Wer hat Angst vor Caliban?
Wer Shakespeares «Sturm» als postkoloniales Märchen liest, hat leichtes Spiel. Ein paar Namensverschiebungen und kleine Zuspitzungen reichen, um aus dem entthronten Gelehrten Prospero Libero zu machen, einen selbstbewussten Staatsgründer und Kolonisator im Dienste des Humanismus. Der störrische «Erdkloß» Caliban wird mit einem anagrammatischen Dreher zum Indianer Kannibal, und der anpassungsfreudige Luftgeist Ariel verwandelt sich in den Sklaven Zabriel, welcher eilfertig Liberos Rache exekutiert.
Die Geschichte vom gerechten Zauberer gerät so zur Schlüsselszene des Kolonialismus, in der ignorante Europäer nicht nur heimische Machtkämpfe auf fremden Inseln und Schultern austragen, sondern durch ihre Zuschreibungen und Benennungen überhaupt erst Menschenfresser und Monster schaffen.
Im popkulturellen Mythenhaushalt
Klaus Theweleits Umschrift von Shakespeares später Komödie ist im Programmheft zu Stefan Puchers «Sturm»-Inszenierung abgedruckt und könnte prachtvoll zu den popkulturellen Affinitäten des Regisseurs passen. Der Freiburger Literaturwissenschaftler hat schließlich in «Pocahontas in Wonderland» (1999) – das Buch, dem die Sturmschrift entnommen ist – nicht nur den ...
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Ihr neues Layout, sehr geehrte Redaktion, verliert meiner Ansicht nach gegenüber dem bisherigen. Getreue Leser, besonders so langjährige Leser und Sammler wie ich (mit einem Abonnement von «Theater heute» seit den 60er Jahren) mögen keine Veränderungen einer Zeitschrift, die sie lieben – eben weil sie so ist, wie sie ist. Mein genauer Vergleich vorher/ nachher...
Die Ausstellung in der Londoner Tate Modern mit dem Titel «The World as a Stage», die über Objekte und Installationen von 16 internationalen Künstlern die Beziehung zwischen Bildender Kunst und Theater erforschen will, weckt erst einmal einige Erwartungen: auf eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Theater, vielleicht auch auf Lebendigkeit.
Falls man jedoch die...
Fünf Darsteller in Alltagskleidern stehen auf einer absolut leeren Bühne, in eigenartigen, deutlich voneinander unterscheidbaren Gesten erstarrt. Einer hält den linken Arm ausgestreckt, als hielte er einen Hirtenstab, eine andere lagert ihm zu Füßen auf dem Boden, den Oberkörper seitlich aufgestützt, ein Dritter steht breitbeinig und mit leicht eingeknickten Knien,...
