Wenn der Wutpegel steigt
480 Euro, ein Fünftel ihres Gehalts, hätten diese schwindelerregend hohen und doch so schmerzhaften Schuhe gekostet, seufzt Apothekengehilfin Andrea in «Bella Figura», Yasmina Rezas Auftragsstück für die Berliner Schaubühne. Dort wird sie von der ohnehin eleganten Nina Hoss gespielt, der Florence von Gerkan eine cremefarbene Seidenhemdbluse und einen sexy Etuirock in Terracotta auf den schlanken Leib geschneidert hat. «Du hast Sorgen!», denkt man an diesem Abend nicht nur einmal.
Warum bleibt diese geradezu großbürgerlich glamouröse Alleinerziehende vier Jahre lang bei einem leicht vertrottelten Unternehmer für Verandaverglasungen, der sich von seiner Ehefrau Restaurants empfehlen lässt, in die er dann seine Geliebte ausführt?
«So bin ich, ich will weg, und dann bleibe ich doch und bleibe, und bleibe», erklärt Andrea ihre schreckliche Tragik einmal selbst. Noch auf dem Restaurantparkplatz irgendwo in der südwestfranzösischen Provinz hat ihr Boris gestanden, dass seine Glaserei bankrott gegangen ist – und beim Zurücksetzen um ein Haar Yvonne, die halb demente Schwiegermutter der besten Freundin seiner Frau, über den Haufen gefahren. Auf diesen Schreck hin beschließen Yvonnes Sohn ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Neue Stücke, Seite 28
von Eva Behrendt
Sie schlängelt sich durchs ganze Land. Vom hintersten Nordosten in den Südwestzipfel, also vom Zollposten St. Margrethen am Bodensee bis in die Weltkleinstadt Genf. Die Schweizer Autobahn A 1 vernetzt fast alle Schweizer Städte, kurvt durchs Mittelland, streift die Seen, wellt sich über Weinberge. Als Transitpiste für Europa taugt sie nur bedingt. Hier produzieren...
Auf einmal erhielt ich seltsame SMSe. Ein gewisser Jacob Appelbaum sprach mich beim Namen an, erzählte von einem Treffen mit Ai Wei Wei und warnte mich vor dem Security Service. Es folgten Anrufe aus dem Ausland, Mitschnitte von Gesprächen, in denen geheime Codes verwendet wurden. Nicht gerade beruhigend in Zeiten digitaler Überwachung, denn es handelt sich bei...
Einige von uns waren an diesem Abend in Stuttgart. Einige von uns haben gelacht, gegrübelt, geklatscht. Einige von uns haben sich gefragt, warum man sich am Schluss trotzdem nicht anders fühlt als nach einem normalen Theaterabend.
«Einige von uns», so heißt das Projekt der Performancegruppe She She Pop – vor vielen Jahren gegründet von Studenten der Angewandten...
