«Weissensee» am Weißen Hirsch
Wer am Staatsschauspiel Dresden den «Turm» uraufführen will, begibt sich in harte Konkurrenz. Uwe Tellkamps Tausendseiter aus dem Ärzte-, Lektoren- und Hausmusikanten-Milieu der 1980er Jahre, das sich in bester Dresdner Elbhanglage vor den diktatorischen Zumutungen des Proletariats verschanzt, hat längst gewaltige performative Energien entfesselt: Seit die «Geschichte aus einem versunkenen Land» zum Bestseller avancierte, ist es praktisch unmöglich, einigermaßen zackig das Villenviertel «Weißer Hirsch» zu passieren.
Auf Schritt und Tritt stolpert man über verzückte «Turm»-Touristen, die unter fachkundiger Anleitung hinter verschnörkelten schmiedeeisernen Zäunen nach jenen Reservaten des Bürgerlichen suchen, die Tellkamp in ebenso verschnörkelten Sätzen – und unter Berufung auf sämtliche literarischen Großmeister von Goethe bis Thomas Mann – beschrieben hat.
Wer es ganz genau wissen will, führt auf dem «Turm»-Trip die Decodierungsliste des Dresdner Antiquars Horst Milde mit sich, der im Roman Malthakus heißt. Darauf ist zum Beispiel zu lesen, dass sich hinter dem fiktiven Systemträger Barsano der reale Erste Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden Hans Modrow verbirgt, für den ...
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