Weimar: Systemarrangements
Willy Werchow (Sebastian Kowski) dürfte für viele Ex-DDRlerinnen und -DDRler ziemlich anschlussfähig sein: Als Leiter der Druckerei «Aufbruch» in der thüringischen Provinz arrangiert er sich zwar so weit mit dem System, dass es ihm keine Schwierigkeiten macht, aber auch nur so weit, dass er noch einigermaßen selbstachtungsverlustfrei in den Spiegel schauen kann.
Seine Kinder Britta (Nadja Robiné) und Matti (Lutz Salzmann) agieren indes deutlich aufmüpfiger in Hasko Webers Inszenierung «Brüder und Schwestern» nach Birk Meinhardts gleichnamigem 700-Seiten-Roman im E-Werk des Deutschen Nationaltheaters Weimar.
Sie solidarisieren sich mit einem Freund, der von der Schule verwiesen wird, weil er in einem so genannten «Fleischerhemd» zum Unterricht erschienen ist. Es handelt sich – wir schreiben das Jahr 1976 – um jenes Kleidungsstück, das Wolf Biermann bei dem Kölner Konzert trug, nach dem er aus der DDR ausgebürgert wurde. Beide Werchow-Kinder suchen sich anschließend Nischen, in denen es sich vergleichsweise System-unbehelligt leben lässt: Britta wird Zirkus-Artistin und turnt kreative sportgymnastische Keulen- und Trapez-Choreografien auf die E-Werk-Bühne. Matti zieht sich auf den ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Christine Wahl
Aachen, Grenzlandtheater
26. Schmitt, Enigma
R. Daniel Kuschewsk
Aachen, Theater
10. nach Jensen, Adams Äpfel
R. Sebastian Martin
18. Bowie und Walsh, Lazarus
R. Christian von Treskow
Aalen, Theater der Stadt
25. Benzine, Der Zorn der Feiglinge
R. Tina Brüggemann
Altenburg Gera, THeater
24. Kressin, Als der Herzog über den Herzog herzog
R. Caro Thum (Gera)
29. nach...
Keine untergehende Berufsgruppe, Partei oder Gesellschaft, die sich nicht wunderbar in der Eigentümerin des «Kirschgartens» spiegeln ließe! Zwar ist die Ranjewskaja mehr als pleite, aber eben auch reich gesegnet mit der Grundarroganz verarmter Aristokraten. Dass ihr Gut versteigert wird, steht zwar unmittelbar bevor, kann aber dessen ungeachtet eigentlich gar nicht...
Das nennt man vorausblickende Spielplangestaltung: Just an jenem 10. Oktober, an dem die Akademie in Stockholm bekannt gab, dass der Literaturnobelpreis 2019 an Peter Handke geht, hatte in Klagenfurt dessen Drama «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» Premiere. Das stumme Stück besteht aus unzähligen Mikrodramen – oder eher Nanodramen – und ist ein...
