Weg aus der Logik des Schicksals

Indien ist das gelobte Land für Menschen, die an der Seele Schaden genommen haben, die Reparatur aber nicht dem Psychotherapeuten aus der nächsten Gemeinschaftspraxis überlassen wollen. Eine ganze Folklore heilsamer Maßnahmen verbindet sich mit den indischen Landstrichen: Man kann in Goa das Kraut des Vergessens rauchen, im Norden auf Knien um den Kailash rutschen, oder – wie in Hermann Hesses «Siddharta» – einfach so lange in einen Fluss starren, bis das Rad des Leidens zum Stillstand kommt. Seit den 1970er Jahren ist Indien aber ein wenig aus der Mode gekommen, heute ist der Tigerstaat für Investitionen besser geeignet als für westliche Projektionen.

Theater heute - Logo

Das ist der ideale Ausgangspunkt für den amerikanischen Filmemacher Wes Anderson, der Anachronismus und nutzloses Wissen zu einem wichtigen Stilprinzip entwickelt hat. In «The Darjeeling Limited» erzählt er von drei amerikanischen Brüdern, die sich in Indien tref­fen, um eine Zugreise zu unternehmen. Von Francis Whitman (Owen Wilson) ging die Initiative aus, Jack (Jason Schwartzman) und Peter (Adrien Brody) sind seinem Aufruf gefolgt. Was sie eint, ist ein vages Leiden an der Welt. Sie wissen nicht so recht, was sie mit sich (und ein­ander) anfangen sollen.

Jack hatte sich zuvor lange in einem Luxushotel in Paris verkrochen, Peter hat eine schwangere Frau zurückgelassen, und Francis ist von einem Unfall noch so versehrt, dass er die meiste Zeit mit bandagiertem Gesicht herumläuft.

Der «Darjeeling Limited» ist ein Zug, der in die berühmte gleichnamige indische Gegend fährt, quer über trockenes Land und durch kleine Dörfer, in denen die drei Brüder mit ihrem umfangreichen Gepäck (Louis-Vuitton-Taschen mit eigens entworfenen Safari-Motiven) auf­fallen wie bunte Hunde. Das Motiv der seltsamen Expedition liegt in der Familiengeschichte: Die Brüder Whitman mussten zu früh erwachsen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2008
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Bert Rebhandl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Chamäleon-Ereignis

Am Frankfurter Schauspiel gibt es Sprechtheater, Gesangsabende, Performance-Projekte und Installationen, gelegentlich Skandale und manchmal auch Kongresse. Um allerdings ein Ereignis zu erleben, muss man ganz genau in den Spielplan schauen und eine der wenigen Produktionen finden, in denen Friederike Kammer mitspielt. Aber Vorsicht, die Schauspielerin ist ein...

Was bewegt, bewegt sich

Die Ausstellung in der Londoner Tate Modern mit dem Titel «The World as a Stage», die über Objekte und Installationen von 16 internationalen Künstlern die Beziehung zwischen Bildender Kunst und Theater erforschen will, weckt erst einmal einige Erwartungen: auf eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Theater, vielleicht auch auf Lebendigkeit.

Falls man jedoch die...

Leserbrief

Ihr neues Layout, sehr geehrte Redaktion, verliert meiner Ansicht nach gegenüber dem bisherigen. Getreue Leser, besonders so langjährige Leser und Sammler wie ich (mit einem Abonnement von «Theater heute» seit den 60er Jahren) mögen keine Veränderungen einer Zeitschrift, die sie lieben – eben weil sie so ist, wie sie ist. Mein genauer Vergleich vorher/ nachher...