«Was haben wir falsch gemacht?»
Wildfremd sind sie einander, die Alten und die Jungen in dieser Familie, die einst bessere Zeiten gesehen hat. Misstrauen, Hass, Bevormundung vergiften ihr Verhältnis zueinander.
Gierig grapscht der lustgeile Großvater nach dem jungen Fleisch der fremdstämmigen Haushälterin, der Freiheitsdrang der jungen Tochter entlädt sich in aggressiver Schikane gegen die kranke Mutter, der verklemmte Sohn quält sich mit unterdrückter homoerotischer Neigung – und die Mutter, kaum Mitte vierzig und den Tod vor Augen, versucht mit letzter Kraft, die Krusten der Verlogenheit und Verstellung aufzubrechen, verdrängte Gefühle und verborgene Beziehungen ans Licht bringen. Nur für einen Augenblick sind die Spannungen vergessen, dann, wenn das wirklich Fremde über sie hereinbricht, wenn aus der Wohnung über ihnen schrille Musik losdröhnt, fremde Stimmen lärmend durchs Haus schallen. Dann explodiert die Wut gegen die «Scheißausländer», gegen diese fremden Eindringlinge, die «unseren Frieden und unsere Harmonie stören und unsere Großzügigkeit ausnutzen».
Belbel beobachtet den Zusammenprall einer traditionsbewussten deutschen Familie mit nicht näher bezeichneten Zuwanderern über Jahrzehnte hinweg. ...
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Mit der normativen Grundlage der menschlichen Urteilskraft verhält es sich in etwa wie mit der Zwiebel in Ibsens «Peer Gynt». Will man zum Kern des ästhetischen Urteils vordringen, folgt Schale auf Schale, während das Auge des Betrachters der Zwiebel zunehmend selbst normative Kraft gewinnt. Wer vor lauter Tränen keine Zwiebel mehr sieht, legt sie schnell beiseite,...
Kurzweil und Bildung, Vergnügen und Erkenntnis, Schönheit und Moral – das sind so die unvereinbaren Gegensätze, deren Versöhnung dem deutschen Theater seit ein paar Jahrhunderten aufgebürdet wird.
Kaum ein Theaterstück balanciert so heikel auf diesem schmalen Grat der Theaterutopie wie Brechts «Dreigroschenoper». Meistens dient sie nur als Beweisstück dafür, dass...
Irgendwas muss man ja machen in den unabsehbar zahlreichen Stunden zwischen Geburt und Tod. Fußball zum Beispiel wäre in Deutschland 06 eine nahe liegende Lösung. Spielen oder gucken, egal. Tennis gegen die Wurfmaschine ließ Christiane Pohle vor fünf Jahren ihre Protagonisten in Maxim Gorkis «Sommergäste» auf Kampnagel spielen, hin und her, ein erfülltes Dasein....
