Beschäftigungstherapien für ein leeres Leben
Irgendwas muss man ja machen in den unabsehbar zahlreichen Stunden zwischen Geburt und Tod. Fußball zum Beispiel wäre in Deutschland 06 eine nahe liegende Lösung. Spielen oder gucken, egal. Tennis gegen die Wurfmaschine ließ Christiane Pohle vor fünf Jahren ihre Protagonisten in Maxim Gorkis «Sommergäste» auf Kampnagel spielen, hin und her, ein erfülltes Dasein. Dessen Fehlen ist es, dass Gorkis vorrevolutionäre, zu einigem Wohlstand aufgestiegene Mittelbürger ausdauernd beklagen: nichts zu tun, jedenfalls nichts Sinnvolles.
Also flirten sie ein wenig, betrügen einander ein bisschen, verachten und verlieben und beschweren sich: ganz wie wir, ihre hundert Jahre später nachgeborenen Zeitgenossen. Auf diese unsterbliche Aktualität und seine Schauspieler setzte Jürgen Goschs Düsseldorfer Inszenierung vor zwei Jahren, die fast ganz ohne Accessoires auskam – der Gegenentwurf zur Methode Ballwechsel.
Aus den Tiefen der Requisitenkammer
Am Hamburger Thalia Theater fehlt Alize Zandwijk dieses Vertrauen in den Text und ihr beachtliches Ensemble. Sie greift tief in die Requisitenkammer und in den Kostümfundus, um sehr bunt abzulenken von der Tristesse, die Gorkis Bürgerpanorama ...
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Der Zürcher Schauspielhaus-Direktor hat ein gesundes Vertrauen in seinen Auftritt: «Ich bin 1 Meter 93 groß, spreche hochdeutsch und drücke mich klar aus.» In dieser darwinistisch knallharten Überlegenheit sah Matthias Hartmann Ende Januar den Grund, dass der historisch einmalige Streik der technischen Angestellten vier Tage dauerte. Tatsächlich, auch dieses Tief...
Man könne das doch nicht mehr spielen, meinen die Kollegen. «Heldenplatz», das sei gerade mal ein punktgenauer Polit-Skandal damals vor knapp 20 Jahren gewesen, eine lokal verortete Provokation, die ohnehin nur in Wien einen Sinn machte. Und überhaupt: Thomas Bernhard – sowas von «out»! Dieser stilisierte Weltekel, diese klischee-seligen Rundumschläge. Ja, mit...
Dass es nicht mehr opportun ist, das künstlerische Genre der Fernsehserie gering zu schätzen – das spricht sich herum. Aber wenn dieser noch vor wenigen Jahren eher belächelten Kunstform inzwischen sogar moralische Qualitäten nachgesagt werden, horcht man doch immer noch auf. Wie erst, wenn das Ganze weltpolitische Maßstäbe annimmt!
Schenkt man der «taz» Glauben,...
