Vorsicht, Lebensgefahr
Sind Sie verzweifelt oder hegen suizidale Gedanken oder stellen diese bei Bekannten fest, wenden Sie sich bitte an Menschen, die dafür ausgebildet sind.»
Wenn wir Google oder eine andere Maschine mit der Suche nach Suizid, Selbstmord oder Freitod beauftragen, stoßen wir am Ende der vorgeschlagenen Seiten immer wieder auf Aufforderungen dieser Art. Es folgen diverse Telefonnummern oder weitere World-wide-web-Adressen zur Suizidprophylaxe.
Ob es sich um eine Programmankündigung einer Fernsehsendung, einen wissenschaftlichen Beitrag oder die Rezension einer Aufführung handelt, die von Suchmaschinen ausgewählten Texte sind von der tiefgreifenden Furcht durchdrungen, bereits die bloße Rede von der Selbsttötung verfüge über eine hochansteckende Wirkung. Die Worte selbst erscheinen infektiös und toxisch. Sie bedürfen einer unbedingten Warnung. Paradoxerweise werden sie gerade dadurch unmöglich gemacht. So zeigt es sich auch im jahrhundertelangen Ringen um den korrekten Begriff für das gewaltsame Beenden des eigenen Lebens. Es fehlen buchstäblich die richtigen Worte, während die falschen gleich sanktioniert werden.
Alice Birchs Theatertext «Anatomie eines Suizids» ist eine kunstvolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 161
von Sybille Meier
Seitdem Shakespeare in seinem «Wintermärchen» Böhmen kurzerhand am Meer angesiedelt hatte («Bohemia. A desert country near the sea»), spukt der Mythos jener utopischen Landschaft durch die europäische Literaturgeschichte. Am Ende seines neuen Stücks lässt auch Jaroslav Rudiš Böhmen und Sachsen im Meer versinken, und nur ein Ort, der «Teufelsberg», ragt noch aus dem...
In den letzten Jahren hat sich der Gegenstand postkolonialer Kritik in den darstellenden Künsten von der Vorder- auf die Hinterbühne erweitert. 2019 reicht es hierzulande nicht mehr aus, ein Stück, eine Performance, ein Panel oder ein Festival zu rassismuskritischen oder postkolonialen Inhalten zu veranstalten, ohne die inhärente Kolonialität der eigenen...
vorwort zu den podesten
1. eigentlich traue ich mich nicht, über jemanden zu schreiben, der noch lebt, und schon gar nicht über jemanden, den ich persönlich kenne. 2. es ist so einfach, einen mann auf ein podest zu stellen, schließlich erinnert er uns ja immer an etwas oder jemanden – an all die vielen anderen männer auf podesten davor. und wenn mir etwas bekannt...
