Böhmen am Meer
Seitdem Shakespeare in seinem «Wintermärchen» Böhmen kurzerhand am Meer angesiedelt hatte («Bohemia. A desert country near the sea»), spukt der Mythos jener utopischen Landschaft durch die europäische Literaturgeschichte. Am Ende seines neuen Stücks lässt auch Jaroslav Rudiš Böhmen und Sachsen im Meer versinken, und nur ein Ort, der «Teufelsberg», ragt noch aus dem Wasser.
Rudis selbst ist ein Grenzgänger zwischen den Sprachen und Kulturen; aus dem böhmischen Lomnice nad Popelkou stammend, lebt der Autor inzwischen in Berlin, und auch sein neuester Roman «Winterbergs letzte Reise» ist von ihm in Deutsch verfasst. Rudis ist aber auch ein Grenzgänger zwischen den Künsten, er textet für Graphic Novels wie «Alois Nebel», ist als Sänger mit der «Kafka Band» unterwegs. In der Literatur ist er ein Grenzgänger zwischen den Genres. Sein Erfolgsroman «Nationalstraße» handelt von der Tragödie und der Lebenslüge eines Polizisten, der sich als ehemaliger Revolutionär ausgibt und am Ende grausam stirbt, und ist doch gleichzeitig von schweijkhafter Komik durchdrungen. Mit «Anschluss» stellt Rudis schon im Titel die Bezüge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts her, bricht diese aber sofort in seiner ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 177
von Jörg Bochow
Beim Atelier-Rundgang der Berliner Universität der Künste 2014 stand da ein ominöser schwarzer Kubus mit zwei grünen Knöpfen. Das Betätigen des einen Knopfes generierte eine neue, scheinbar willkürliche Zahl auf dem Display. Beim Betätigen des anderen Knopfes wurde ebendiese Zahl auf einen weißen Sticker gedruckt.
Die Leute drückten so lange auf den Knöpfen...
Vorworte von Spielzeitheften sind meist ähnlich spannend wie das Wort zum Sonntag. Das erste von Martin Kušej verantwortete Spielzeitheft des Burgtheaters aber beginnt mit einem Text, der sich wie ein programmatisches Manifest liest. Darin heißt es: «Das Burgtheater wird sich fortan und endgültig nicht mehr als ‹teutsches Nationaltheater› begreifen, das nur in...
Vor undenklichen Zeiten war das Marmaroscher Gebiet in den Waldkarpaten von Riesen bewohnt. Als ihre Zeit zu Ende ging und nur ein einziger von ihnen noch in der Gegend lebte, begegnete seine Tochter Rosalia eines Tages bei einem Spaziergang am Fluss kleinen Menschen, wie sie sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie fing einige in ihrer Schürze und brachte sie heim....
