Vor Ort sein!
Theater machen in der Provinz. Klingt reichlich zweitklassig und meilenweit weg vom Berliner Theatertreffen. Aber was ist eigentlich Provinz? Universitätsstandorte wie Tübingen oder Heidelberg? Wirtschafts- und Verwaltungszentren wie Mannheim oder Karlsruhe? Wer heute im Zeitalter von Breitbandinternet, ICEs und dem dichtesten Autobahnnetz der Welt noch Provinz sagt, denkt in Kategorien des 19. Jahrhunderts. Provinz, das spielt sich inzwischen im Kopf ab, findet sich nicht in Kleinstädterei, sondern in Denkfaulheit und Ideenarmut.
Ersetzen wir das schöne P-Wort, das auch ein wenig nach Ferien und Natur klingt, durch ein eher sachliches «vor Ort sein». Denn daran bemisst sich Qualität und Nachhaltigkeit von Theaterarbeit. Vor Ort finden sich die konkreten Themen und Stoffe, die nichtprovinzielle Theaterarbeit wichtig machen.
Vor Ort trifft man auch auf ein besonderes Publikum: Gerade die oft als rückständig geschmähten Abonnenten unserer Landes-, Stadt- und Staatstheater verfügen durch ihre langjährige beharrliche Theatertreue über eine große Bandbreite von Theatersprachen und Regiehandschriften. Viele von ihnen haben eine Theaterallgemeinbildung, die vergleichbar in den großen ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Peter Spuhler
Es gibt diese alten mechanischen Wecker, bei denen ein Hämmerchen zwischen zwei Klingeln hin- und herschlägt: unvorstellbar laut, unvorstellbar nervtötend. Man schläft unruhig, einerseits wachgehalten vom lauten Ticken, andererseits schon am Abend in Angst vor dem Geschepper, das einen am nächsten Morgen aus wirren Träumen reißen wird. Solch ein Wecker ertönt...
Manchmal fängt das Leben mit dem Höhepunkt an, man weiß es nur nicht. Wie drei Einschläge, trocken, hart und zielgenau, treffen die Stücke «Jagdszenen aus Niederbayern», «Landshuter Erzählungen» und «Münchner Freiheit», die ein junger Schauspieler aus Marklkofen, Landkreis Dinfolfing-Landau, zwischen 1966 und 1970 aus sich herausschleudert, in die aufbruchsbereite...
Hippiekitsch!» – «Petit Bourgeois!»: Das war so die Munition, die sich die Kontrahenten auf dem Höhepunkt der von Patrick Wildermann moderierten Diskussion an die heiß geredeten Köpfe knallten. Als Letzterer wurde der Kunsthistoriker und Co-Kurator der HAU-Veranstaltungsreihe «Phantasma und Politik» Helmut Draxler belächelt, der in seinem Eröffnungsvortrag...
