Dorfdämmerung
Manchmal fängt das Leben mit dem Höhepunkt an, man weiß es nur nicht. Wie drei Einschläge, trocken, hart und zielgenau, treffen die Stücke «Jagdszenen aus Niederbayern», «Landshuter Erzählungen» und «Münchner Freiheit», die ein junger Schauspieler aus Marklkofen, Landkreis Dinfolfing-Landau, zwischen 1966 und 1970 aus sich herausschleudert, in die aufbruchsbereite deutsche Theaterlandschaft.
Mit gerade mal 21 wird Martin Sperr über Nacht zum gefragten Vertreter eines neuen kritischen Volksstücks in der Nachfolge von Brecht, Horváth und Marieluise Fleißer und Hausautor an den Münchner Kammerspielen. Fünf Jahre später ist diese dramatische Karriere schon wieder vorbei. Anfang 1972 platzen ihm beim Reifenwechsel auf der Landstraße zwei Adern im Hirn, ein physischer Knockout, den er zwar knapp überlebt, aber Gedächtnis und Schreibkraft bleiben auf der Strecke.
Jetzt hat sich Residenztheaterdirektor Martin Kusej für seine Gegen-Gastregie an den Münchner Kammerspielen – deren Intendant Johan Simons inszenierte bereits letzte Spielzeit im Rahmen eines freundschaftlichen Regieaustauschs Jelineks «FaustIn and out» im Marstall – die «Jagdszenen», das erste und stärkste Stück aus Sperrs ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen
Personen
Felix
Tobi
Philipp
Sechs Brüder
Mädchenchor
Ausrufer
Sebastian
Kay
Partygäste
No love lost. No love lost.
Joy Division
FELIX-SZENE
Bruder 2 jetzt kommst du heraus aus den schlechten Verhältnissen
Felix für das ganze schlechte Verhältnis ist kein Geld nur für jeden siebten einer Familie und der Staat hat eben mich gewollt
Bruder 1 versteht sich
Felix mich...
Eigentlich ist das ein unverfänglicher Ort: ein Pub am Ende der Straße, wo man ein wenig rumhängt am Feierabend, ein, zwei dunkle Bier trinkt, redet, Fußball schaut. Und es sieht auch so aus, als würde dieser Tag friedlich und ereignislos ausklingen: Jimmy kommt, bestellt und fachsimpelt mit Wirt Robert über ein Match. Doch Jimmy ist nervös, er wartet auf jemanden....
«Wenn Gott die Wiederholung nicht gewollt hätte, hätte er die Welt nicht erschaffen», verkündet der Erklärbär – und das hat er vom Existenzphilosophen Sören Kierkegaard geklaut. Zum besseren Verständnis untermalt das flauschige, aggro-besserwisserische Vieh jedes Wort mit einer Cheerleader-Geste und wiederholt das Ganze mehrfach, bis Rotkäppchen – «ich bin frei,...
