Dortmund: Und täglich grüßt der Loop
«Wenn Gott die Wiederholung nicht gewollt hätte, hätte er die Welt nicht erschaffen», verkündet der Erklärbär – und das hat er vom Existenzphilosophen Sören Kierkegaard geklaut. Zum besseren Verständnis untermalt das flauschige, aggro-besserwisserische Vieh jedes Wort mit einer Cheerleader-Geste und wiederholt das Ganze mehrfach, bis Rotkäppchen – «ich bin frei, ich bin ein Individuum» – zur Kalaschnikow greift und ihn mit einer Salve niedermäht. Endlich Ruhe.
Da öffnet sich die holzverkleidete Aufzugtüre im ersten Stock (Bühne und Kostüm Pia Maria Mackert), eine Kopie des Bären tappt heraus auf die Showtreppe, zeigt herrisch gen Himmel und grollt, «Wenn Gott die Wiederhooolung ...». Stoppen kann ihn nur einer, Regisseur Kay Voges, der in dieser mutigen, turbulenten Versuchsanordnung über Loops und lineares Erzählen, über Original, Kopie und Genie im Zeitalter endloser Datenströme live Regie führt.
Vom Zuschauerraum aus kompiliert Voges das intertextuelle Mash-up aus 100 möglichen Szenen jeden Abend neu. Zur Wahl stehen epochemachende Zitate, die Tagesschau, die Bibel, aber auch Theaterklassiker wie Dantons Klage über die nervtötende Redundanz des Alltags, oder Wladimirs Wunsch ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Cornelia Fiedler
Personen
Felix
Tobi
Philipp
Sechs Brüder
Mädchenchor
Ausrufer
Sebastian
Kay
Partygäste
No love lost. No love lost.
Joy Division
FELIX-SZENE
Bruder 2 jetzt kommst du heraus aus den schlechten Verhältnissen
Felix für das ganze schlechte Verhältnis ist kein Geld nur für jeden siebten einer Familie und der Staat hat eben mich gewollt
Bruder 1 versteht sich
Felix mich...
Samuel Koch, der bei «Wetten, dass …?» verunglückte Schauspieler, ist das jüngste Beispiel für die Diskussion über Inklusion auf dem Theater. Bei den bisherigen Inszenierungen des Staatstheaters Darmstadt mit Samuel Koch schien es um die Erkundung der Wirkungen zu gehen, die entstehen, wenn ein Querschnittgelähmter die Rolle eines körperlich nicht Behinderten...
Oh ja, es gibt Déjà-vu-Momente an diesem Abend. Er fängt gleich mit einem solchen an, wenn sich Jan-Peter Kampwirth als tollpatschiger Spross der absteigenden Entertainer-Dynastie von Archie Rice beim Mikrofoncheck vor dem Samtvorhang hoffnungslos in ein Kabel verheddert, umständlich die Höhe verstellt, natürlich ohrenbetäubend das Mikro fallen lässt und doch...
