Von der Wirklichkeit überholt
Es hat etwas Genüssliches, wie in diesem «Othello» das rassistische Vokabular für die Beleidigung von Schwarzen angesammelt wird. Neger, Nigger, Hottentott, Makake, Molukke, Kaffeesatz oder Urwaldkönig nennen Othellos Soldaten ihren Heerführer. Sie essen demonstrativ Nutella, das sie «Othella» nennen, und auch die neueste Version des Kolonialsprechs, mit dem weiße Menschen schwarze «POC» nennen, weil eine politisch korrekte Theorie meint, «People of Colour» sei eine rassismusfreie Ansprache zur Gewissensberuhigung linker Kulturbürger, wird hier in die Pöbeleien einbezogen.
Aber diese Chauvinisten ohne verbale Beißhemmung reden genauso über Frauen, Schwule und «Ziegenficker», denn ganz offensichtlich war es die Absicht des Autorengespanns Christian Tschirner und/oder Robert Schuster, die sich das Pseudonym «Soeren Voima» teilen, mit ihrer Adaption von Shakespeares «Mohr von Venedig» den dünnen Firnis der Wohlerzogenheit zu zerreißen, unter dem die «Breitbart»-Seele der modernen Hassnatur zum Vorschein kommt. In einem Dschungelcamp der verbalen Ekeligkeiten, das mit Tarnnetzen, Nato-Zelt und mobilem Kompagnie-DJ den Krieg als geile Quoten-Show feiert (Bühne: Maria Alice Bahra), ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Till Briegleb
Das Schmelzen des Eises lehrt, dass die Zeit unterschiedlich schnell vergehen kann. Lange steht Stéphane Laimés Eiswand, die trotz an ihr befestigtem Kruzifix und Erste-Hilfe-Kasten an die Glasfront eines altrussischen Wintergartens erinnert, kaum verändert auf der Zürcher Pfauenbühne. Möglich, dass das ein oder andere Eisquadrat transparenter wird oder das...
Premieren im März
Aachen, Grenzlandtheater
13. Zeller, Der Vater
R. Rüdiger Pape
Aachen, Theater
30. Soleimanpour, Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen (Theaterexperiment)
R. Ensemble
31. Capote, Frühstück bei Tiffany
R. Jan Langenheim
Aalen, Theater der Stadt
25. Lessing, Nathan der Weise
R. Tina Brüggemann
Altenburg/Gera, TPT
9. McNally, Meisterklasse
R. Kay Kuntze (Altenburg)
2...
Manche Einsichten kommen leider (zu) spät. «Ich möchte mich entschuldigen», wendet sich eine zottelige Kreatur am Ende der «10 Gebote» ans Publikum des Deutschen Theaters Berlin und gesteht kleinlaut «Fehlleistungen, Hybris, Hochmut und Großmannsträumereien» ein. Dass es sich bei diesem flauschigen Kollegen mit dem leibhaftigen Schaf im Schlepptau um Gott...
