Biblische Ratlosigkeit
Manche Einsichten kommen leider (zu) spät. «Ich möchte mich entschuldigen», wendet sich eine zottelige Kreatur am Ende der «10 Gebote» ans Publikum des Deutschen Theaters Berlin und gesteht kleinlaut «Fehlleistungen, Hybris, Hochmut und Großmannsträumereien» ein. Dass es sich bei diesem flauschigen Kollegen mit dem leibhaftigen Schaf im Schlepptau um Gott persönlich handelt, der inzwischen seine komplette Schöpfung als «maximale Sackgasse» erkannt hat und liebend gern zurücknehmen würde, ist erstmal zweitrangig.
Schließlich tut man dem Abend keinesfalls unrecht, wenn man diese kleine Entschuldigungsarie aus der Feder Rocko Schamonis ein paar Stufen tiefer hängt und als Minimalentschädigungsgeste begreift für all die «Designfehler, Strukturfehler, Konstruktionsfehler» und «Fertigungsfehler», die man unmittelbar zuvor – ganz konkret und in epischer Vier-Stunden-Breite – auf der Bühne begutachten musste.
Fünfzehn Gegenwartsautor/innen – von Navid Kermani bis zu Felicia Zeller, von Dea Loher bis zu Clemens Meyer – waren vom DT beauftragt worden, sich für einen groß angelegten Gegenwartsbefragungsabend der Regisseurin Jette Steckel je eines der zehn Gebote vorzunehmen (weshalb es auch ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Neue Stücke, Seite 25
von Christine Wahl
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