Versager fliegen raus
Sei’s die bayrische Provinz oder die amerikanische Vorstadt, ersticken kann man in beiden. Rigide Wertesysteme prägen diese Welten, und deren Anforderungen genügt eine ganze Reihe Menschen nicht. Sie werden zu Randständigen, zu Außenseitern. Der Bühne als Spiegel der Gesellschaft kommt das entgegen, denn der Blick aufs Ganze ist vom Rand aus bekanntlich klarer. Die beiden Produktionen, die am Zürcher Schauspielhaus den Saisonauftakt markieren, widmen sich der Gesellschaftsanalyse von der Seite – mit einem Griff ins Bücherregal der klassischen Moderne des letzten Jahrhunderts.
Barbara Frey holte sich in der Probenzeit für ihre Auftaktinszenierung Anschauungsmaterial im Zoo. Sie habe mit den Schauspielern Gorillas beobachtet, erzählte die Zürcher Intendantin kurz vor der Premiere. Und wie eine Horde (menschlicher) Tiere harren die Schauspieler zu Beginn denn auch ergeben dessen, was in Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt» noch passieren wird. Gottfried Breitfuss ist als Berotter ein bereits sichtlich angeschlagener Rudelältester. Er zuckt hilflos mit den Beinen, sitzt zuoberst auf einer kleinen Plattform, die aus der Bühnen-Wand herausragt. Neben ihm wartet die Brut. Bald ...
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Irgendwann geht ein tropischer Regenguss nieder. Dann legt der Eingeborene seine Schamanenpranke auf den Körper des Mitteleuropäers, worauf der mal kurz vom Scheitel bis zur Sohle zuckt. Der Gute heißt Felix, ist im Moment aber alles andere als glücklich. Da sitzt er doch tatsächlich zusammen mit der Lisa und der Pascale irgendwo in den südamerikanischen Tropen,...
«Sterben ist etwas mehr als Harlekins Sprung» (Schiller). Aber Sterben will ja auch keiner. Also Harlekins Sprung! So dürfte es sich Junghausregisseur Martin Laberenz gesagt haben, ehe er sich erstmals auf die Große Bühne des Centraltheaters schwang, um dort «Die Räuber» Purzelbäume schlagen zu lassen. Wie in Persiflagen von Mel Brooks wird bei ihm ein Schiller für...
Wer am Staatsschauspiel Dresden den «Turm» uraufführen will, begibt sich in harte Konkurrenz. Uwe Tellkamps Tausendseiter aus dem Ärzte-, Lektoren- und Hausmusikanten-Milieu der 1980er Jahre, das sich in bester Dresdner Elbhanglage vor den diktatorischen Zumutungen des Proletariats verschanzt, hat längst gewaltige performative Energien entfesselt: Seit die...
