Foto: Gabriela Neeb
Unversöhnliche Liebeserklärung
Lang hat man nichts von ihm gehört. Auch im Münchner Revier zwischen Marienplatz, Viktualienmarkt und dem Schneider Bräuhaus im Tal, wo man ihm früher oft über den Weg laufen konnte, weit ausschreitend mit weißen Cowboystiefeln, den Blick entschlossen ins Blaue gerichtet, ist Herbert Achternbusch nicht mehr unterwegs. Die Beine wollen nicht mehr.
Altersweise ist er aber zum Glück nicht geworden, das Hirn hat nichts eingebüßt von seiner unberechenbaren Sprunghaftigkeit, und so ist nun aus der hochgelegenen Künstlerwohnung in der Burgstraße unverhofft ein neues Stück herabgeweht, das gleich ums Eck auf dem Marienplatz spielt. «Dogtown Munich» heißt es und ist natürlich keine Hommage, sondern allenfalls eine unversöhnliche Liebeserklärung an die Stadt, in der er 1938 geboren wurde und es nun wohl auch bis zum Ende aushalten wird. Angedockt hat das Werk zur Uraufführung nicht etwa an den Kammerspielen als einstigem Heimspielplatz, sondern am Münchner Volkstheater.
Orte und Landschaften haben dem Erfinder des Andechser Gefühls bekanntlich schon immer was ausgemacht, besonders die bayerischen. Gegen die idyllischen Bastionen behäbig (selbst-) gefälliger Denk- und Lebensart musste er ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Silvia Stammen
«Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?», heißt es in der «Dreigroschenoper». Die Bawag kann Brecht damit nicht gemeint haben. Sie wurde 1922 – unter dem Namen Arbeiterbank – als eine Art antikapitalistisches Geldinstitut gegründet, ohne private Aktionäre und nicht profitorientiert. Nach dem Krieg wurde die Arbeiterbank vom...
Wer schon einmal in einer Jury saß, der weiß, dass es das klare, unschuldige, ausschließlich auf Qualitätskriterien beruhende Urteil nicht gibt. Der weiß, dass ein Urteil immer auch heißt, gut eingespielte Kriterien zu hinterfragen: Ist der eigene Kompass noch korrekt? Steht einem Geschmäcklerisches im Weg, persönliche Vorlieben, Erfahrungen? Ist man womöglich...
Für einen angehenden Dramatiker entwarf der junge Brecht eine recht krude Sprachkritik. Man habe nicht seine eigenen Wörter, man wasche sie auch nicht wie die eigenen Wäsche: «Im Anfang war nicht das Wort. Das Wort ist am Ende. Es ist die Leiche des Dinges.» Das Wörterklauben hatte für den Schriftsteller scheinbar nur bedingten Reiz, mindestens genauso interessant...
