Typisch Mongolen
Die Bühne der «Great Mongolian Show» steht seit geraumer Zeit verlassen. Neben der verblassten Leinwand-Steppe haben es sich die drei dazugehörigen Mongolen mit einem Fläschchen Sekt gemütlich gemacht und trotzen jedweder Erwartungshaltung des Publikums aufs Entspannteste. «Gebt den Anderen doch auch mal die Chips!», sagt die Mongolin schließlich. Mit entschlossen-komischer Geste wischt sich Sabrina Braemer die wilden Langhaarzotteln ihrer Perücke aus dem Gesicht und macht sich mit der Chipstüte auf den Weg zu den «Anderen», zum Publikum.
Die Idee, Sabrina Braemer, Jonny Chambilla und Oliver Rincke als «Mongolen» auftreten zu lassen, stammt ursprünglich nicht vom Gießener Kollektiv Monster Truck, das gemeinsam mit den Schauspielern des Berliner Theaters Thikwa eine «musikalische Völkerschau» ausrichtet. Der englische Neurologe John Langdon-Down grenzte 1866 die mittlerweile Down-Syndrom genannte Genmutation als «mongoloide Idiotie» von anderen «geistigen Behinderungen» ab. 1965 erhob die Republik der Mongolei Einspruch gegen den «Mongolismus» bei der WHO. Gleich zwei Kategorien der Ausgrenzung überschneiden sich hier wirkungssicher: die «Idiotie» und das «böse Fremde», das der ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Anja Quickert
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