Mit dem Unterleib gedacht
Ein eindeutiger Fehler ist es, im Bett zu fragen, was der Liebhaber denn so denke. Könnte nämlich sein, dass er ehrlich antwortet: «Eigentlich denke ich immer nur an deine Scheide.» Gut, auf empörte Nachfrage, ob das wirklich alles sei, differenziert der Mann (Samuel Weiss), manchmal denke er auch an Augen, Brüste, Schulterblätter, aber eigentlich läuft es doch immer aufs Gleiche raus, er denkt an die Vulva der Geliebten (Saskia Taeger). Woran er nie denkt: an Politik, an Arbeit, an Wirtschaft. Die personifizierte Ambitionslosigkeit.
«Männer Frauen Arbeit» heißt die Auftragsarbeit von Oliver Kluck für das Hamburger Schauspielhaus, das klingt wie «Vater Mutter Kind», und im Grunde trifft diese private Perspektive aufs Wirtschaftsleben den Kern des Stücks. Es geht um die Krise eines ökonomischen Systems, aber diese Krise ist eine Beziehungskrise, und in dem Moment, in dem das System kollabiert, ist es Zeit für eine Familientherapie. Kluck, 1980 an der vorpommerschen Ostseeküste geboren, sieht die DDR zusammenbrechen wie eine Familie, die sich auseinandergelebt hat, aber bevor jemand hier an Politik denkt, denkt er zunächst an Unterleiber. Anders ausgedrückt: Dass der Begriff der ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik: Hamburg, Seite 58
von Falk Schreiber
Man meint, diese Neumanns schon mal gesehen zu haben. Es war in den 1970er Jahren, als die Familie Klimbim unterwegs war, die deutsche Urmutter aller seriellen Sitcoms. Am frischesten ist die Erinnerung an die Tochter der Chaosfamilie: Ingrid Steeger, die heute von Hartz IV leben soll und zu Protokoll gibt, die Männer hätten sie wie eine Weihnachtsgans...
Lange muss Elektra warten, bis sich ihre Racheträume an der eigenen Mutter erfüllen. Karin Henkel hat sich in Zürich die attische Familienmetzelei neu angesehen – und zwar von zwei Seiten!
Peter Fitz war seinen Mitspielern wie Bernhard Minetti oder Otto Sander immer ein großer Zweiter, der den Ersten jederzeit über den Kopf wachsen konnte. Ein Nachruf
Über ein...
Putz blättert in ahornblattgroßen Placken von den Wänden, darunter frisst fröhlich der Schimmel. Den Fußboden verwandeln Staub, Dreck und die verstreuten Bestände einer umfangreichen Bücherwand in unwegsames Gelände. Die Glasscheiben der französischen Fenster und der Galerie im ersten Stock sind herausgebrochen, Kabel baumeln lianengleich von der Decke, von draußen...
