Tausend kleine Anzeichen

Wie sich die Grimme-Preisträgerin Nina Kunzendorf von der Beobachterin zur Beobachteten wandelt

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Laut Grimme-Preis-Jury ist sie «die Entdeckung des Jahres für Schauspielleistung», und zwar in nicht weniger als vier Fernseh-Spielfilmen: Nina Kunzendorf, seit 2001 im Ensemble der Münchner Kammerspiele und dort häufig in großen Frauenrollen zu sehen – als Verführerin Ysé in Paul Claudels «Mittagswende», als tobende Klytaimnestra in der «Orestie» und als stumme «Lavinia» in Heiner Müllers «Anatomie Titus» –, hat ihre Grimme-Auszeichnung für lauter Nebenrollen erhalten.

Während die 35-Jährige auf der Bühne oft Schreckensmütter, Vamps und blutige Opfer spielt, grenzt sich ihr Fernsehrollentyp von ihrer Umgebung ab bis hin zur Verschlossenheit, tritt aber gleichzeitig einzelnen Mitmenschen mit sehr wachem Blick und unbedingter Ehrlichkeit entgegen. 

Als Margarethe Beer in der Alexander Osang-Verfilmung «Die Nachrichten» adelte sie mit dieser Haltung die High-Society-Figur, die in der Vorlage ein bloßes Vehikel ist, um die Hauptperson in die besseren Kreise der Westgesellschaft einzuführen. In Dominik Grafs «Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel» trieb sie die Unabhängigkeit des Verhaltens bis über die Grenzen der Gefälligkeit hinaus – und erhielt für ihre Interpretation einer ...

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Theater heute Mai 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 64
von Barbara Schweizerhof

Vergriffen
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