Stuttgart: Unschuldige Verfremdungen

Philipp Löhle «Feuerschlange» (U)

Theater heute - Logo

Die Zeitungen sind auch an dem Morgen, an dem dieser Artikel entsteht, voll. Voll von deutschen Waffen, die im Ausland töten. Jemen. Nordafrika. Ganz aktuell. Die Rüstungsindustrie auf dem Vormarsch. Kein Geheimnis, vielleicht ein Tabu, unsere Gewehre verkaufen sich nun mal gut. Besonders die aus Oberndorf, einem kleinen Ort in Schwaben, wo gleich zwei große deutsche Waffenschmieden ihren Stammsitz haben. Oberndorf ist eine knappe Stunde entfernt von Stuttgart, also ziemlich nah, vermutlich hat man sich deshalb am hiesigen Schauspiel ein Stück gewünscht zum Thema Waffenexporte.

Oder besser gesagt: zu jenem militärisch-industriellen Komplex, der direkt vor der Haustür liegt.

Der Dramatiker Philipp Löhle hat nach eigener Aussage noch nie selbst den Finger am Abzug gehabt, aber dafür einiges über Heckler&Koch gelesen. Und weil Löhle von Haus aus dem Witz nicht abgeneigt ist (und vielleicht auch um Klagen vorzubeugen), wird bei ihm daraus die Firma Lecker&Loch, die in Unterndorf residiert. Wo sonst. Inspiriert ist sein Text von den leider wahren Begebenheiten um das, wie man hierzulande gerne sagt, «Traditionsunternehmen» und die unrühmlichen Exporte des berühmten G36 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Kristin Becker

Weitere Beiträge
Hörbuch: Frau Föhn trifft Bise

Man kennt den warmen Fallwind im Al­penraum unter dem Namen «Föhn». Er mache einen wuschig, sagen die Leute von alters her. Etwas besser überprüfen kann man den optischen Effekt. Bei Föhn erscheinen die Berge näher, die Sicht ist superklar. Münchner und Zürcherinnen kennen diese Lage sogar aus der Stadt, man braucht gar nicht in die voralpinen Täler zu fahren,...

Mannheim: Star ohne Pop

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es Menschen wie Iggy Pop geht oder weiland Lemmy von «Motörhead» oder Janis Joplin, der sollte Simon Stephens’ letztes Stück «Birdland» lesen (und sich nicht daran stören, dass es darin vor Klischees nur so wimmelt). Lesen wohlgemerkt, denn wenn man sich die deutsche Erstaufführung im Nationaltheater Mannheim ansieht,...

Das Auge der Betrachterin

So viel Etikettenschwindel war schon lange nicht mehr. «Wunderbare Jahre» behauptet der Buchtitel; der leere rote Plastikstuhl allerdings, der darunter ins Bergmassiv blickt, könnte zu denken geben. Doch dann kommt der Klappentext und spinnt weiter: Wunderbare Jahre waren das angeblich, «als wir noch die Welt bereisten», «schön, abenteuerlich, romantisch». Und...