Das Auge der Betrachterin
So viel Etikettenschwindel war schon lange nicht mehr. «Wunderbare Jahre» behauptet der Buchtitel; der leere rote Plastikstuhl allerdings, der darunter ins Bergmassiv blickt, könnte zu denken geben. Doch dann kommt der Klappentext und spinnt weiter: Wunderbare Jahre waren das angeblich, «als wir noch die Welt bereisten», «schön, abenteuerlich, romantisch». Und heute? Da ist die Welt «zum Weglaufen. Aber wohin?»
Natürlich nirgendwohin. Jetzt nicht und noch nie.
Denn schön, abenteuerlich, romantisch war die Welt, jedenfalls in den Augen von Sibylle Berg, auch zwischen 1994 (der älteste von 19 Texten) und 2014 (der jüngste) nicht. Seit zwanzig Jahren schreibt Sibylle Berg neben Romanen und Theaterstücken von unnachahmlicher Bosheit und Weltekel Reisereportagen, unter anderem für die «Zeit», den «Spiegel» und das viel zu unbekannte Schweizer Magazin «Reportage». Die Texte in diesem kleinen Band sind Nachdrucke (ohne dass darauf mit einem einzigen Wort hingewiesen würde), und sie sind unverkennbar von Sibylle Berg, oszillierend zwischen Abscheu, Zynismus und unerwarteter und umso rührenderer Empathie. Von wunderbaren Jahren, Schönheit und Romantik allerdings keine ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: , Seite 56
von
Man kennt den warmen Fallwind im Alpenraum unter dem Namen «Föhn». Er mache einen wuschig, sagen die Leute von alters her. Etwas besser überprüfen kann man den optischen Effekt. Bei Föhn erscheinen die Berge näher, die Sicht ist superklar. Münchner und Zürcherinnen kennen diese Lage sogar aus der Stadt, man braucht gar nicht in die voralpinen Täler zu fahren,...
Daran, dass sich die Berliner Volksbühne um 2011/12 noch einmal aus ihrem jahrelangen Formtief erholte, hatte wohl auch er seinen Anteil: Daniel Josefsohn, geboren 1961 in Hamburg als Sohn israelischer Eltern, Fotograf, Künstler, Magazinmitgestalter, Kampagnenerfinder (seine wohl berühmteste waren die «Miststück»-Plakate für MTV in den 90ern), verantwortete...
Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben...
